Canovas Geheimnis
Possagno, in den südlichen Ausläufern der Alpen gelegen, ist eines jener beschaulichen Dörfchen Italiens, die von einem einzigen Kapitel ihrer Geschichte zehren, aber das hochprofitabel. Wer sich der idyllisch gelegenen, heute von gut 2000 Einwohnern bevölkerten Ortschaft nähert, erblickt von fern einen monumentalen Tempel, der stolz über den Häusern und der milden Landschaft Venetiens thront.
Der berühmteste Sohn Possagnos hat den Bau in Auftrag gegeben und dabei seine eigenen Ideale architektonisch verwirklicht: Der «Tempio Canoviano», benannt nach dem Stifter Antonio Canova, ist reiner Klassizismus nach antikem Vorbild. Ein Zwitter aus Akropolis und Pantheon verkündet hier die Ankunft eines neuen Zeitalters, das die Fassaden- und Interieur-Exzesse des Barock verbannt, um einmal mehr dem Genius des Altertums nachzuspüren.
Antonio Canova – 1757 in Possagno geboren, 1822 in Venedig gestorben, bestattet in einer prachtvollen Grablege der Frari-Kirche – ist der Meister des Klassizismus italienischer Provenienz. Seine Skulpturen erlösen die ekstatisch verschraubten Torsi, besänftigen die traum- und albtraumhaft schwingenden Menschenbilder, mit denen sein Landsmann ...
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Tanz Dezember 2016
Rubrik: Traditionen, Seite 56
von Dorion Weickmann
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