Buenos Aires

Zeitgenössischer Tanz ist mehr als ein ästhetisches Konzept. Er verhandelt Fragen nach dem Zusammenleben in fragilen Zeiten und prekären Verhältnissen

Tanz - Logo

Extrem lebendig und weithin praktiziert, dabei strukturell instabil und kaum als Arbeit anerkannt: In Buenos Aires führt der Tanz schon seit Langem ein widersprüchliches Dasein. Ohne ein nationales Tanzgesetz, das grundlegende Arbeitsrechte garantieren könnte, bleiben die Arbeitsbedingungen äußerst prekär. Und doch: Noch immer kommen wir in Studios, Kulturzentren, zweckentfremdeten Räumlichkeiten oder leerstehenden Hallen zusammen. Der Tanz bleibt – als Form kollektiven Beharrens.

Was den zeitgenössischen Tanz in Buenos Aires ausmacht? Es steht vielleicht gar nicht so sehr ein ästhetisches Konzept im Zentrum, sondern die Frage: Was bedeutetet es für die Körper, unter fragilen Bedingungen zusammenzubleiben? Choreografie wirkt hier häufig als Strategie der Organisation von gemeinsamer Wahrnehmung, Zuneigung, Erschöpfung und Präsenz. Der lange Schatten des experimentellen Tanzes – insbesondere des Tanztheaters von Pina Bausch –, der mit seinen fragmentierten Dramaturgien und Gefühlszuständen, mit Ironie und dem gesprochenen Wort die lokale Szene über Jahre hinweg geprägt hat, ist im Laufe des vergangenen Jahrzehnts allmählich dokumentarischen Formaten gewichen. Sie stehen in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: Parkett International, Seite 154
von Bárbara Hang

Weitere Beiträge
Utopie

Mein Urgroßvater war Scherenschleifer, staatenlos, und zog mit einem Karren von Dorf zu Dorf. Die Geschichten jenseits des Hügels hat er den Leuten diesseits des Hügels weitererzählt. Manchmal mit geliehener Pracht, um sich nicht mit sich selbst zu langweilen. War sein Erzählen auch ein «Hunger nach Sinn», wie Alexander Kluge sagen würde? Dachte er sich, so und...

System-Scan

Ende Februar 2025 gaben das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und dessen Intendant Boris Charmatz eine überraschende Entscheidung bekannt: Die Zusammenarbeit solle zum Ende der Saison 2024/2025 vorzeitig beendet werden. Verblüffend, denn geplant war ein sehr viel längerfristiges Engagement. Die offizielle Sprache der Bekanntmachung, von der Stadt Wuppertal über das...

Dear Museum

So richtig im Museum kommt das Publikum gar nicht an. Schon vor dem luftigen Foyer des Humboldt Forum biegt es links ab, in Richtung Saal 2 – die Studiobühne des umstrittenen Schloss-Nachbaus, der heute die einst in Dahlem untergebrachten ethnologischen Sammlungen beherbergt. Wie alle Kollektionen dieser Art sind sie unter postkolonialen Vorzeichen in die Kritik...