Bühnenmenschen

… Meinungsmosaik

Tanz - Logo

«Jeder Mensch ist ein Tänzer», stellte Rudolf von Laban 1920 für die Tanzmoderne fest. In der europäischen Akademisierung heißt dieser Ausspruch noch lange nicht, dass jede*r auf der Bühne tanzen kann. Angehende Bühnenmenschen werden bis heute im Spielen mit Balance und im Ausdrücken innerer Seelenzustände ausgebildet.

Lehrende erhalten geschenktes Vertrauen und damit eine temporäre Autorität, welche bei Lernenden aber auch trübende Gefühle auszulösen vermag: Gehört mein Körper mir, wenn er gehorchen soll?

Im Kommentieren, Korrigieren und Kritisieren von Körpern entstehen sensible Blickachsen. Sie basieren auf der Dialektik einer Lust am Tanzen und einer Lust am Schauen. Die Berufsausbildung hat auch zur Aufgabe, dass Lernende ein Körperbewusstsein erhalten, um in Momenten der (Selbst-)Kritik standhaft zu bleiben, im besten Falle schwebend. Als perfekte Tänzer*innen gelten seit Heinrich von Kleists «Über das Marionettentheater» (1810) ohnehin die Gliederpuppen, denn sie benötigen gar kein (Selbst-)Bewusstsein. Was passiert aber, wenn Lehrende mit dem Kleist’schen Bild der Puppenspieler*innen liebäugeln? Dann entpuppt sich der Begehrensraum als Gefahren­zone, in der nicht mehr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2020
Rubrik: Ausbildung, Seite 39
von Mariama Diagne

Weitere Beiträge
Impressum 8/9/20

Impressum

tanz

Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance

Herausgeber 

Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion

Sofie Goblirsch, Hartmut Regitz, Marc Staudacher, Dorion Weickmann (Leitung), Arnd Wesemann

Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin

Tel. +49-(0)30-254495-20, Fax -12

redaktion@tanz-zeitschrift.de 

www.tanz-zeitschrift.de 

Gestaltung & Bildredaktion

Marina...

München: Jan Martens, Marc Vanrunxt «Lostmovements»

Jan Martens beginnt sein Solo «lostmovements», das er in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Marc Vanrunxt kreiert hat, mit einer Aufzählung von Choreografennamen. Sein feierlicher Ton verrät, dass sie ihm viel bedeuten. Enden lässt er das Stück mit einer ebenso langen Aufzählung von Namen homosexueller Künstlerinnen und Künstler. Auf diese Weise bekräftigt Martens...

CD, DVD, Buch 8/9/20

Autobiografie: André Doutreval

«Was? Sie heißen Adolf Bruno Preglej?» So die Büroangestellte, als der junge Tänzer 1959 in Wien seine Mitgliedschaft beim Österreichischen Gewerkschaftsbund beantragt. «Also, das geht einfach nicht für einen Künstler, so kurz nach dem Krieg!» André Doutreval klang besser. Unter diesem Namen machte der Sohn eines Autolackierers auch...