Bühnenmenschen
«Jeder Mensch ist ein Tänzer», stellte Rudolf von Laban 1920 für die Tanzmoderne fest. In der europäischen Akademisierung heißt dieser Ausspruch noch lange nicht, dass jede*r auf der Bühne tanzen kann. Angehende Bühnenmenschen werden bis heute im Spielen mit Balance und im Ausdrücken innerer Seelenzustände ausgebildet.
Lehrende erhalten geschenktes Vertrauen und damit eine temporäre Autorität, welche bei Lernenden aber auch trübende Gefühle auszulösen vermag: Gehört mein Körper mir, wenn er gehorchen soll?
Im Kommentieren, Korrigieren und Kritisieren von Körpern entstehen sensible Blickachsen. Sie basieren auf der Dialektik einer Lust am Tanzen und einer Lust am Schauen. Die Berufsausbildung hat auch zur Aufgabe, dass Lernende ein Körperbewusstsein erhalten, um in Momenten der (Selbst-)Kritik standhaft zu bleiben, im besten Falle schwebend. Als perfekte Tänzer*innen gelten seit Heinrich von Kleists «Über das Marionettentheater» (1810) ohnehin die Gliederpuppen, denn sie benötigen gar kein (Selbst-)Bewusstsein. Was passiert aber, wenn Lehrende mit dem Kleist’schen Bild der Puppenspieler*innen liebäugeln? Dann entpuppt sich der Begehrensraum als Gefahrenzone, in der nicht mehr ...
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Tanz August/September 2020
Rubrik: Ausbildung, Seite 39
von Mariama Diagne
Das ist ein herber Verlust für die Schweizer Tanzlandschaft. Die Kompanie Flamencos en route verabschiedet sich im Oktober von ihrem Publikum. Gründerin und Leiterin Brigitta Luisa Merki sieht sich zur Auflösung gezwungen, weil das Aargauer Kuratorium 2021 die jährlichen Förderbeiträge von 250 000 Schweizer Franken einstellen wird.
Das Aargauer Kuratorium...
Schwanenfrau und Königssohn sind einfach nicht füreinander gemacht. Sie kommen aus zwei Welten und bleiben einander nur Erlösungsprojektionen: Er will mit ihr dem rigiden System am Königshof entfliehen, sie durch ihn ihrem Wildtierdasein. So war's schon immer im Ballettklassiker. Aber jetzt haben sich die metaphorischen und psychologischen Subtexte des Stoffes...
Fünfundsechzig Jahre lang waren die Choreografin Krisztina Horváth und ihr Mann Michael Molnár einander verbunden. 1946 in Budapest geboren, stand er seit der Tanzausbildung unerschütterlich an ihrer Seite: 1971 bei der Emigration in die BRD, während der Engagements an den Theatern in Augsburg und Düsseldorf und sieben Jahre lang im Tanz-Forum Köln. Es folgte die...
