Bühnenmenschen
«Jeder Mensch ist ein Tänzer», stellte Rudolf von Laban 1920 für die Tanzmoderne fest. In der europäischen Akademisierung heißt dieser Ausspruch noch lange nicht, dass jede*r auf der Bühne tanzen kann. Angehende Bühnenmenschen werden bis heute im Spielen mit Balance und im Ausdrücken innerer Seelenzustände ausgebildet.
Lehrende erhalten geschenktes Vertrauen und damit eine temporäre Autorität, welche bei Lernenden aber auch trübende Gefühle auszulösen vermag: Gehört mein Körper mir, wenn er gehorchen soll?
Im Kommentieren, Korrigieren und Kritisieren von Körpern entstehen sensible Blickachsen. Sie basieren auf der Dialektik einer Lust am Tanzen und einer Lust am Schauen. Die Berufsausbildung hat auch zur Aufgabe, dass Lernende ein Körperbewusstsein erhalten, um in Momenten der (Selbst-)Kritik standhaft zu bleiben, im besten Falle schwebend. Als perfekte Tänzer*innen gelten seit Heinrich von Kleists «Über das Marionettentheater» (1810) ohnehin die Gliederpuppen, denn sie benötigen gar kein (Selbst-)Bewusstsein. Was passiert aber, wenn Lehrende mit dem Kleist’schen Bild der Puppenspieler*innen liebäugeln? Dann entpuppt sich der Begehrensraum als Gefahrenzone, in der nicht mehr ...
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Tanz August/September 2020
Rubrik: Ausbildung, Seite 39
von Mariama Diagne
Les ballets suédois
Vor genau hundert Jahren gründeten der schwedische Mäzen Rolf de Maré und der Tänzer-Choreograf Jean Börlin die Ballets Suédois – als Konkurrenz-Ensemble der Ballets russes. Obwohl nur fünf Jahre existent, hinterließ die Truppe tiefe Spuren: Die Groupe Les Six komponierte für sie, Schriftsteller wie Claudel oder Cocteau standen Schlange, genauso...
Serge Lifar
Sommerfrische am Lido di Venezia samt Logis im Grand Hôtel des Bains – ein Ritual, dem Serge Diaghilew regelmäßig huldigte, um sich vom strapaziösen Dasein als Impresario der Ballets russes zu erholen. In seinem Schlepptau kamen hübsche junge Tänzer nach Venedig, so George Balanchine und Serge Lifar, die sich 1925 am Strand ablichten ließen. Vom wem,...
Kaminer inside: Friedrichstadt-Palast
Eigentlich firmiert der Berliner Revue-Tempel inzwischen als «Palast». Aber wenn sich ein Bestsellerautor wie Wladimir Kaminer ansagt, dessen «Russendisko» auch schon über die Kinoleinwand flimmerte, dann heißt er eben in alter Schönheit «Friedrichstadt-Palast». Ein halbes Jahr lang hat sich der Besucher für seine TV-Reihe...
