Buch, CD, DVD 5/23
Sachbuch
VOLKSTHEATER
Vor vier Jahren interessierte sich die Politik einmal für Ballett. 2019 fragte die AfD im Stuttgarter Landtag, welche Staatsangehörigkeit denn die Tänzer*innen an den öffentlichen Bühnen Baden-Württembergs hätten. Freilich, auf solch kulturfernes, ressentimentgeladenes Interesse könnte die Kunst auch verzichten, die Episode beschreibt aber anschaulich, wie die Rechte sich die Darstellenden Künste als Feindbild ausgesucht hat.
Der Theaterkritiker Peter Laudenbach analysiert diesen Komplex in seiner Studie «Volkstheater»: Es geht Rechten nicht um eine abweichende Meinung, sondern um einen Kulturkampf, und die Gegner in diesem Kampf sind Theater, Oper, Tanz. Laudenbach beschreibt, wie Rechtskonservative in den Parlamenten und außerparlamentarische Rechtsradikale im Hass auf die Darstellenden Künste vereint sind: nicht, weil im Theater immer knallhart antifaschistisch gearbeitet wird, sondern, weil Bühnen Orte des Austauschs sind, des Dialogs und der Vieldeutigkeit. Und Vieldeutigkeit, das ist im rechten Denken, wo immer alles eindeutig sein muss, verwerflich. Ein deprimierendes Buch. Aber auch ein Buch, anhand dessen man ablesen kann, wo im Kulturkampf die ...
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Tanz Mai 2023
Rubrik: Medien, Seite 56
von
Ein Wiegen, Schwimmen, Schweben. In Wubkje Kuindersmas «Resonance of Dreams» verwandelt sich das Kieler Ballettensemble in einen Schwarm, der sich zu den Klängen von Friedrich Heinrich Kern, Georgs Pelēcis, Alfred Schnittke und Pēteris Vasks organisch bewegt, mal synchron, mal bewusst gegenläufig, ein einziges An- und Abschwellen, vor dem Marina Kadyrkulova...
Wenn eine junge Choreografin im Anschluss an eine Aufführung von Hans van Manens «Short Cut» mit ihrem ersten Auftragswerk das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht, dann muss sie Talent haben. So geschehen jüngst beim Ballett am Rhein. Neshama Neshman ist der Name der sehr jungen Künstlerin, die mit einem Tanzstück über eine Erzählung...
Das ist kein Stück, das sind Posen. Sechs Tänzer*innen stehen auf der Bühne des Bremer Kulturzentrums Schwankhalle, bewegen sich unendlich langsam in fast klassische Positionen, Aufrichten, Einknicken, man entdeckt Passé, Écarté devant, Croisé. Dann folgt ein Cut, die Bühne wird dunkel, basslastiger Eurodance wummert, und die nächste Pose wird eingenommen. Antonin...
