Buch, CD, DVD 1/22

Tanz - Logo

CD des Monats
THE PROUST ALBUM
Reynaldo Hahn macht den Anfang, ein Komponist, den heutzutage kaum noch jemand kennt. Und doch spielt der Sohn eines Hamburger Juden insofern eine durchaus bemerkenswerte Rolle in der Ballettgeschichte, als ihn Serge Diaghilew 1911 mit «Le Dieu bleu» betraute, einer Zusammenarbeit mit Jean Cocteau.

Shani Diluka ruft Hahn ins Gedächtnis, weil er in einem «Proust Album» einfach nicht fehlen kann, nicht fehlen darf; schließlich war er es, der Marcel Proust – erst als Geliebter, später als lebenslang Vertrauter – Musik und Musiker so nahebrachte, dass sie zum unverzichtbaren Teil seines Romans «À la recherche du temps perdu» geworden sind. Auf der CD hat die französische Pianistin das «Piano concerto in E» eingespielt, ein ebenso verträumtes wie verspieltes Konzert, das die Zeit der französischen Salons zumindest hörbar macht.

Gleiches gilt für die anderen Klangbilder von Debussy, Fauré, Franck, Massenet, Strauss oder Wagner. Auch die ominöse «Sonate de Vinteuil» ist im Programm, ein fiktives Opus, das als «Refrain des Glücks» im Roman Erinnerungen an eine erloschene Liebe weckt. Gemeinsam mit dem Geiger Pierre Fouchenneret zitiert Shani Diluka Stimmiges ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2022
Rubrik: Medien, Seite 44
von

Weitere Beiträge
Endlichkeit

Zu. Auf. Zu, alles wieder zu. Derzeit wieder keine Vorstellungen, Wien im vierten Lockdown. Gerade eben noch in der Staatsoper: die von Publikum und Presse sehr gut aufgenommene Uraufführung von Marco Goeckes «Fly Paper Bird», platziert in der Mitte eines dreiteiligen Abends, der mit Martin Schläpfers wohl ironisch gemeinter, 2006 in Mainz herausgebrachter...

Tim Plegge: «Memento»

«Immerhin haben wir Zeit»: Ein Satz aus dem Programmheft zu «Memento», dem jüngsten Tanzstück Tim Plegges, das sich wegen der Corona-Pandemie in Phasen entwickeln und verändern musste. Es dauerte fast ein Jahr von der Idee, mit Josef Suks «Asrael»-Sinfonie zu arbeiten (wegen der Abstandsregeln im Orchestergraben dann nicht möglich) über das Werkeln an Soli und...

Streitfall

Entmündigt
Ein arabischer und ein chinesischer Tanz, komponiert von dem Russen Peter Tschaikowsky, minutenkurz, gesehen durch die Brille des 19. Jahrhunderts. Und so rekonstruiert, wie bei der St. Petersburger Uraufführung 1892 gezeigt. Ist das heute wirklich Grund genug, eine teure «Nussknacker»-Produktion als jüngsten Fall von Cancel Culture abzusetzen, wie beim...