Bridget Breiner/Jeroen Verbruggen: «VERZAUBERT»/«DER FEUERVOGEL»
Jeroen Verbruggen orientiert sich an der Handlung des alten Ballets-Russes-Klassikers, dessen prachtvolle Strawinsky-Partitur in einer Coronareduzierten Version für fünf Musiker doch ein wenig leidet. Prinz Iwan wird hier zum Besucher eines Varietés, der Feuervogel zum Starlet im Zizi-Jeanmaire-Stil, die gefangenen Prinzessinnen zu Revuegirls und der böse Kastschej zum Herrscher der seltsam schmucklosen Cabaret-Bühne.
Dann aber führt der belgische Choreograf immer mehr Symbole und Metaphern ein, und man verliert den Überblick: Steht der verschleierte Hut des Starlets für die magische Feder des Feuervogels? Warum betrachten sich alle in kleinen Handspiegeln, was bedeuten die Flämmchen, warum wird der Laufsteg zum Abendmahlstisch und dann zum Sarg? Zwar choreografiert Verbruggen durchaus die Liebe zwischen Iwan und einem der Chorus-Girls, aber bis zum Erlösungsschluss hat man über dem vielen Sich-selbst-Bespiegeln gründlich den Faden verloren.
Getanzt wird auf Spitze und durchaus originell, viel in Bodennähe und mit einer kühlen, von puppenhaften Reflexen gebrochenen Eleganz. Die Chorus-Girls vertauschen irgendwann im Lauf des Abends ihre Kostüme und auch die Geschlechterzuordnung ...
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Tanz Juli 2021
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Angela Reinhardt
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