brickland
In diesem Monat ist es wieder so weit: Fasching. Die Narren treiben, der Fasnetler tanzt, eine verordnete Fröhlichkeit greift um sich. Der Reihenhaus-Besitzer hebt den Schellenbaum und schwört einen Eid: Für sechs Tage steht für ihn die Welt außer Frage. All den Zumutungen, die er sonst erleidet, will er nun selbst eine Zumutung sein. Dem Gesetz der Vernunft, dem der Häuslebauer mit Sparsamkeit und Umsicht huldigt, zeigt er seine Fratze aus Tradition. Er begehrt und begehrt auf. Für keine Schande ist er sich zu schade.
Als Mensch im Karneval ist er sein eigener Idiot, der pünktlich ab Weiberfastnacht das fröhliche Recht besitzt, der Armee der Rechthaber ins Gesicht zu lachen. Da sieht er, während eines für ihn gewagten Narrensprungs, wie durch seinen Tanz all der Nebel zerstiebt, der sich vor seine Vernunft geschoben hat: Dass seine Sorgen nur noch im Kleinsten zu finden sind, im Feinstaub und Zinseszins. Dass seine Besorgnis bloß noch im Vermutbaren existiert, im Wandel von Klima und Handel. Dass er allein von Utopien regiert wird: um seiner gut versicherten Sicherheit und lebenslangen Gesundheit zu huldigen.
Nichts bleibt wahr, wenn man diesen künstlich sicheren Standpunkt ...
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