Bolshoi in London
WENN RUSSEN KOMMEN, scheint die Klassik auf dem Höhepunkt. Sie soll ausgerechnet aus einer so strahlenden, individualistischen und dynamischen Stadt wie Moskau kommen, einer Metropole, die sich selbst kaum an ihren letzten «großen Stil» erinnern mag, an Yuri Grigorovich, den St. Petersburger, der das Ballett des Bolshoi von1965 bis1995 leitete. Hier entstand der heroisch-romantische Stil, maßgeschneidert für strahlende Solistenpersönlichkeiten und ein dynamisches Corps de ballet.
Mit seinem «Schwanensee» werden in London die Ideale der Zeit, der Geist der Stadt und die Größe der Bühne (eine der größten auf der Welt) noch einmal auferstehen.
Aber die Zeit ist vorbei, sein Pathos ist nicht mehr sehr gefragt (Beweis dafür die kürzliche Wiederaufnahme seines «Goldenen Zeitalters»). Sein Psychologismus ist für die heutigen Tänzer uninteressant und nicht mehr zugänglich. Es gibt nicht mehr die muskulösen Athleten-Tänzer wie Vladimir Vasiliev, Mikhail Lavrovsky, Irek Mukhamedov, sondern «hübsche Prinzen» wie Andrei Uvarov, Sergei Filin, Nikolai Tsiskaridze und Dmitri Gudanov und andere. Sie wuchsen in eine Zeit der Instabilität und der nicht voraussagbaren Veränderungen hinein. Seit ...
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