Heinz Spoerli

Zürichs Ballettdirektor, über «Tänzerpersönlichkeit»

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Im heutigen Tanz ist Vorsicht geboten, denn auch hier drohen sich, wie in anderen Bereichen, die Grenzen zwischen Hochkultur und Mittelmäßigkeit allmählich zu verwischen. Wir sollten unser Augenmerk deshalb auf die Ausbildung legen, denn deren Bedeutung wird gerne unterschätzt: Man glaubt sich die Meinung leisten zu dürfen, zeitgemäße Tanzarten bedürften keiner Vorbildung, sie entstünden aus dem Nichts heraus. Ich glaube, dass das ein Irrtum ist.

Das Erlernen jeder Sprache setzt ja die Beherrschung des Alphabets und der Grammatik voraus, und das ist bei einer so komplexen und vielschichtigen Körpersprache wie dem Tanz gewiss nicht anders.
Ich bin überzeugt, dass man Tänzern in den prägenden Jahren zwischen 12 und 17 einen «Stil», eine Basissprache der Körperlichkeit vermitteln muss – welcher Stil das ist, ist dabei nebensächlich. Ich plädiere nicht einfach für eine verbindliche «klassische Ausbildung», sondern für jede Art von sorgfältiger, professioneller Ausbildung. Das muss aber sehr früh geschehen – Tanz ist keine geeignete ­Do­mäne für Späteinsteiger –, denn es braucht Zeit, Ausdauer, Geduld und Disziplin. Hier ist ein Schnellkurs, hier sind  Sparsamkeit und Eile fehl am ...

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Tanz August/September 2006
Rubrik: Was denkt..., Seite 96
von Heinz Spoerli

Vergriffen
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