Heinz Spoerli
Im heutigen Tanz ist Vorsicht geboten, denn auch hier drohen sich, wie in anderen Bereichen, die Grenzen zwischen Hochkultur und Mittelmäßigkeit allmählich zu verwischen. Wir sollten unser Augenmerk deshalb auf die Ausbildung legen, denn deren Bedeutung wird gerne unterschätzt: Man glaubt sich die Meinung leisten zu dürfen, zeitgemäße Tanzarten bedürften keiner Vorbildung, sie entstünden aus dem Nichts heraus. Ich glaube, dass das ein Irrtum ist.
Das Erlernen jeder Sprache setzt ja die Beherrschung des Alphabets und der Grammatik voraus, und das ist bei einer so komplexen und vielschichtigen Körpersprache wie dem Tanz gewiss nicht anders.
Ich bin überzeugt, dass man Tänzern in den prägenden Jahren zwischen 12 und 17 einen «Stil», eine Basissprache der Körperlichkeit vermitteln muss – welcher Stil das ist, ist dabei nebensächlich. Ich plädiere nicht einfach für eine verbindliche «klassische Ausbildung», sondern für jede Art von sorgfältiger, professioneller Ausbildung. Das muss aber sehr früh geschehen – Tanz ist keine geeignete Domäne für Späteinsteiger –, denn es braucht Zeit, Ausdauer, Geduld und Disziplin. Hier ist ein Schnellkurs, hier sind Sparsamkeit und Eile fehl am ...
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Kein Blick zurück im Zorn? Warum denn? Wohl muss Enno Markwart, seit August 1997 Rektor der Palucca Schule Dresden, Ende des Semesters gehen – aber nur, weil ein sächsisches Gesetz nach drei Amtsperioden keine Weiterbeschäftigung erlaubt. «Ich habe eine persönliche Bindung an die Schule», räumt er freimütig ein, «und deshalb bin ich mir sicher: die schweren Stunden...
Warum tanze ich? Was ist meine Motivation? Der Frage, warum ein junger Mensch in einem Tanzberuf arbeiten will, gehen Stimuli voraus, die er oder sie meist schon im ersten Kontakt mit dem Tanz erfährt. Der Besuch einer Tanzvorstellung, die Eindruck machte, eigene körperliche Erfahrungen, Tanz, der in Schulen vermittelt wird, oder der Unterricht in einer...
Denken in der Kunst hat keinen guten Ruf. Einerseits. Zu viel konzeptueller Tanz, zu kopfiges Theater, all das in-progress-Zeugs, zu wenig Schönheit, zu wenig Gefühl, zu wenig Fleisch und Blut. Andererseits: Denken in der Kunst steht hoch im Kurs. Kaum ein Theater, das sich nicht ein Lab gönnen würde, eine Akademie, ein educational oder research programme....
