Black is king

«Wir können Beyoncé hochladen? Dann weg mit allen Probeabos!» So kalkulierte die Marketingabteilung des Streaming-Anbieters Disney+, der Ende Juli sämtliche Gratisoptionen entsorgte und Tage später «Black Is King» auf seine Plattform hob: 85 Minuten Supershow, ­starring Beyoncé Knowles-Carter als Mama Madonna Africa. Der XXL-Clip ist die beste Eigenwerbung, die der Medienkonzern überhaupt kriegen konnte – ein Publikumsmagnet.

Nach der sensationellen Eroberung des Louvre via «Apeshit»-Video (tanz Jahrbuch 2018) legt die Pop-Diva hier einen Total-Remix des Musicals «König der Löwen» hin: «Black Is King» veranstaltet eine optische Odyssee durch die Film-, Tanz-, Mode- und Realgeschichte, sammelt aber selbstverständlich nur das jeweils Extravaganteste ein. Kinematografische Verweise auf  Luchino Visconti und Stanley Kubrick, choreografische Anleihen bei Busby Berkeley, Bob Fosse und Michael Jackson, Kostüme zwischen Ethnoschick und Südstaaten-Kulinarik à la «Vom Winde verweht» (aufgeladen mit black power statt white supremacy) – dieser Akt der historischen Wiederaneignung und kulturellen Umschreibung ist ein starkes Statement. Selbst dort, wo er die christliche Kitsch-Ikonografie, ...

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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Bewegung, Seite 4
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