Enttäuscht von euch
«Ich bin der erste urbane Tänzer, der beim «Deutschen Tanzpreis» geehrt wird – und der erste nicht-weiße Tänzer, dem das zuteil wird. Und auch noch der Erste aus dem Umfeld des Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz in Berlin, der je die Aufmerksamkeit der Jury geweckt hat.» Raphael Hillebrand sagt das mit Stolz. Zugleich schwingt in seiner Stimme eine schöne Wut mit. Darüber, dass urbane nicht-weiße Tänzer erst jetzt zum Zug kommen.
Gerade kehrt er zurück aus Chemnitz.
Er war eingeladen, mit der dortigen Ballettkompanie ein Format für junge Choreografen zu entwickeln, «Made In Chemnitz 2020». Das Fernsehen war da. Die Ehrung für Hillebrand – deutsche Staatsangehörigkeit, Sohn einer hellhäutigen Mutter und eines afrikanischen Vaters und selbst Vater zweier Kinder – war dem ZDF einen rührenden Beitrag wert. Vor der Kamera sagte der 38-Jährige noch brav, es sei eine Ehrung für alle Urban Dancers. Und eine für alle mit anderer Hautfarbe. In Chemnitz stieß er auf eine Kompanie «mit sehr wenigen in Deutschland geborenen Menschen, die sich dem Prinzip weißer Vorherrschaft unterwerfen und ganz erstaunt waren, dass ich keine patriarchalen Handlungsaufforderungen oder Befehle erteile». Nach ...
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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Menschen, Seite 31
von Arnd Wesemann
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Man kann Kunst für Menschen machen. Oder, wie es das italienische Theaterkollektiv Socìetas Raffaello Sanzio einmal vorgemacht hat, den Publikumssaal mit Stoffhasen füllen, sodass die Menschen, verdrängt auf den Balkon, den Eindruck erhalten, die Tänzer sind nur für die Tiere da. Einen Schritt weiter gehen die Performerin Krõõt Juurak und der Tänzer Alex Bailey....
Es ist die beste Idee überhaupt: gutes Geld, schnell verdient. Du musst nur ein Tänzer sein. Oder eine Tänzerin. Dann kannst du Geld machen mit der Kunst. Sagt die Werbebranche. Wer auch immer ihren Acker bestellt, erhält Bestellungen aus aller Welt. Wenn’s gut läuft, gut dotiert. Wer wirbt, wird bemerkt. Wer tanzschaffend ist und einen der vielen Anträge auf...
