bewegtes lernen
Ssssssss – 15 junge Tanzpädagogen sausen durch einen großen Raum des Eden***** in Berlin-Pankow. Sie probieren aus, wie ein «S» tanzen würde. Aber wie bewegt sich ein Buchstabe? Wie ein «T», ein eindeutig abrupter Laut, einer, bei dem im Gegensatz zum «S» die Bewegung stoppt. Töh! Töh! Töh! Mit durchgedrücktem Rücken hopsen 15 erwachsene Seminaristen in alle Richtungen. Es hat eindeutig etwas Trotziges. Beim «A» breiten sich die Arme weit aus, die Sonne geht auf.
Auch das «M» ist genießerisch, orientiert sich jedoch, anders als das «A», nicht nach außen, sondern – wenn der Körper seinem eigenen Klang folgt – nach innen. Buchstaben sind keine abstrakten Zeichen, sie haben einen Klang, der ganz und gar körperlich ist.
Die Tanzpädagogen stellen mit ihren Körpern Worte nach, tanzen und singen sie. Was die Kinder lernen, mit denen solche Spiele später einmal gespielt werden, ist mehr als nur, dass sie sich einen Buchstaben besser einprägen können. Auf lebendige Weise lernen sie, dass zwischen den Wörtern und diesen komischen Buchstaben, aus denen sie sich zusammensetzen, eine Verbindung besteht. Dass die Bedeutung der Wörter auch in ihrem Klang, in ihrer Körperlichkeit, aufgehoben ist. ...
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Tanz November 2011
Rubrik: praxis, Seite 66
von Michaela Schlagenwerth
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