das bein ist anstößig...
Ist dies denn nicht der Inbegriff von Schönheit und Eleganz? Unter den Augen der 1951 verstorbenen Ballettpädagogin Agrippina Waganowa exerziert eine Schülerin der Waganowa-Akademie in St. Petersburg eine perfekte Arabesque penchée. Das nach hinten gestreckte Bein hebt sie auf 130 Grad. Nicht mehr und nicht weniger. So ist es schön. Doch jüngst untersuchte ein amerikanisches Forscherteam um Elena Duprati Hunderte von Ballettaufführungen zwischen 1962 und 2003 und fand heraus: 130 Grad sind «out».
Heute bilden Stand- und Spielbein einen Spagat, eine fast vollkommene Gerade von 180 Grad auch beim Développé à la seconde, dem zur Seite gehobenen Bein, das seit Sylvie Guillem bis zum Ohranschlag in den Bühnenhimmel ragt. Die klassische Ästhetik wurde, wen wundert’s, akrobatischer. Dieser Hang zur Vertikalen verdränge die «wahre Klassik» und jenes auf körperliche Harmonie bedachte Equilibrium der Gliedmaßen. Klassik sei eben weder Gymnastik noch Sport. Zu Waganowas Zeiten habe man viel schlichter und auch weniger sehnenzehrend getanzt.
In allen Künsten überragt die Sensation den guten, alten Goldenen Schnitt. Überall hat sich das Harmoniebedürfnis in der zweiten Hälfte des 20. ...
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Tanz November 2011
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
Es ist eine alte Frage: Soll man vor der Vorstellung den Programmzettel lesen oder unbefangen an das Werk herangehen? In der Regel gilt Letzteres, doch es gibt Ausnahmen. Rachid Ouramdane wollte beim «Festival d'Avignon» klare Verhältnisse schaffen und ließ die Gebrauchsanweisung für «Exposition universelle» hinterher verteilen. Das war richtig. Sonst hätte das...
Ssssssss – 15 junge Tanzpädagogen sausen durch einen großen Raum des Eden***** in Berlin-Pankow. Sie probieren aus, wie ein «S» tanzen würde. Aber wie bewegt sich ein Buchstabe? Wie ein «T», ein eindeutig abrupter Laut, einer, bei dem im Gegensatz zum «S» die Bewegung stoppt. Töh! Töh! Töh! Mit durchgedrücktem Rücken hopsen 15 erwachsene Seminaristen in alle...
«Siehst du», sagt er, «daher kommt es, dass wir einander nie verstehen.» Was er deshalb auf Englisch sagt, weil er ihr Koreanisch nicht versteht. Und sie sein Französisch auch nicht. Sein Deutsch? Na ja. Er kann ihr auch nur schwer erklären, warum er sich in Berlin so viel fremder fühlt als sie. Wegen seiner spanischen Wurzeln? Hyun-Jung Wang, auch Honji genannt,...
