Beschützer und Piraten
Es gehört heute zu den fast selbstverständlichen Erwartungen Tanzinteressierter, einen Zugang zu den Quellen dieser Kunst zu allererst über audiovisuelle Medien zu erhalten. Was den Zugang zum Kulturerbe Tanz betrifft, möchte ich aus meiner Erfahrung einige zentrale und für uns, die Tanzarchive, sehr aktuelle Aspekte skizzieren.
Dazu zunächst eine kleine Geschichte.
Mitte der 1990er-Jahre machte sich ein Kollege von mir, der Theaterwissenschaftler Jörg Bochow, im Rahmen seiner Forschungen zum Film der Zwanziger Jahre auf, Zugang zu dem deutschen Kulturfilm «Wege zu Kraft und Schönheit» (1925) zu erlangen. Da ich sehr daran interessiert war, eine Kopie des Films auch für unsere Mediathek zu erhalten, machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Damals benötigte das Bundesarchiv am Fehrbelliner Platz zwar noch ein Vierteljahr, um eine Kopie in den eigenen Beständen ausfindig zu machen. Aber dafür wurde uns in Aussicht gestellt, dieselbe dann tatsächlich zu Forschungs- und Lehrzwecken dauerhaft verwenden zu können. Die Zusage war allerdings an die Bedingung geknüpft, dass wir uns eine Kopie des Films selbst erstellen, indem wir ihn von einem Fernsehmonitor abfilmen. Dem ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Traditionen, Seite 58
von Thilo Wittenbecher
Sie war «solide, erdverbunden, aus schwerem Lehm, nicht aus Glas». Kein Wunder, dass sie lange Zeit nur «Die Schwester des Tänzers» war, wie der Roman von Eva Stachniak in der deutschen Übersetzung heißt. Der englische Originaltitel lautet mit mindestens ebenso großer Berechtigung «The Chosen One», denn Vaslav Nijinsky hatte Bronislava Nijinska als Opfer in...
Prix de Lausanne
Deutschland ist in diesem Jahr mit drei Köpfen vertreten: Gigi Hyatt, Vize-Direktorin der Schule des Hamburg Ballett, Nürnbergs Ballettchef Goyo Montero und Choreograf Christian Spuck (zugegeben – als Leiter des Zürich Ballett halber Exilant) sind Teil der neunköpfigen Jury unter dem Vorsitz von Kevin O‘Hare, die das Kandidatenfeld beim...
Fast vier Jahrzehnte ist es her, da geschah auf dem Grünen Hügel von Bayreuth ein Wagner-Wunder. 1976 wuchteten der Regisseur Patrice Chéreau und der Dirigent Pierre Boulez den vierteiligen «Ring des Nibelungen» auf die Bühne des Festspielhauses und ernteten dafür Buhrufe und Beschimpfungen. Wagners getreue Publikumsritter tobten ob der vermeintlichen...
