Düsseldorf
Raimund Hoghe scheint um sein Leben zu schwimmen. Dann am Strand zu liegen und den Wellen zu lauschen, die Arme eng am Körper. Guy Vandromme sitzt am Flügel und spielt «La Valse» von Maurice Ravel, die Pianoversion, so aufgewühlt, als wäre es der finale Sturmflut-Satz aus Claude Debussys «La Mer». Die Assoziation entsteht vor allem deshalb, weil bald klar wird, warum Hoghe hier zwölf Minuten lang regungslos verharrt: Dies ist das Reenactment einer der symbolträchtigsten Fotografien der jüngsten Zeit.
Sie zeigt den kleinen Aylan, das an einem türkischen Badestrand angespülte, ertrunkene syrische Flüchtlingskind. Das Bild wurde zuerst von Ai Weiwei nachgestellt, nun von Hoghe.
Natürlich ist der Abend mit Walzern jeder Art auch allen anderen Opfern unter den Flüchtlingen zugedacht, insbesondere aber Kindern. Ein buntes Kinderstück ist er nicht. Vielmehr unterstreichen Hoghe, sein künstlerischer Mitarbeiter Luca Giacomo Schulte und die Tänzer zur Uraufführung am Centre Pompidou in Paris vor allem, wie grau der Tod ist. Dunkelgrau ihre Kleidung, mittelgrau die Decken, die Schulte ihnen über die Schultern legt, grauschwarz der Bühnenraum. Da wirkt ein rotes Tuch, das ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 38
von Thomas Hahn
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