Berlin online: Rubato «Körperwetter»

Tanz - Logo

Als eine der Ersten war sie wieder auf der Bildfläche: Rubato, die Tanzkompanie von Jutta Hell und Dieter Baumann. Seit 35 Jahren existiert sie schon in Berlin. Vor handverlesenem Publikum gab sie ein Tanzkonzert, ohne Kassenhäuschen, mit Sitzabständen wie in der Business Class. Am Kopfende: Alexander Nickmann, Rubatos Leib- und Magenmusiker, ein Ex-Tänzer, der den Raum live mit elektronisch präpariertem Harmonium und ebensolcher Geige im Surround-Sound füllt.

«KörperWetter» heißt die Premiere, sie wurde den Gegebenheiten entsprechend offiziell im Internet gefeiert, per Stream in drei Episoden. Am Bildschirm geht, auch bei feineren Kopfhörern, zuerst der Klang in die Knie. Die Kamera der Berliner Tanzdokumentarin Andrea Keiz versucht, diesen Verlust auszugleichen, schwenkt und tänzelt mit zum Groove des tanzenden DJs aus Dresden, konzentriert sich auf die zwei Tänzerinnen, Alessandra Defazio und Anja Sielaff, und auf Dieter Baumann, 65 Jahre alt, das Bildnis eines jungen Mannes. Dieser Tänzer ist ein Phänomen auch vor der Kamera, ein Charakterkopf, mienenfrei, konzentriert, überzeugt von jeder Präzisionsbewegung, die sich durch Jahrzehnte an Erfahrung in seinen drahtigen Muskelbau ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2020
Rubrik: Kritik, Seite 32
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Lektionen: Twyla Tharp

Nein, das ist nicht bloß ein weiterer, schon gar kein überflüssiger Ratgeber, den eine 78-Jährige verfasst hat, um uns Jüngeren zu erklären, wie sie es schafft, auch im hohen Alter noch aktiv zu sein, attraktiv, gelenkig und vital. Die Frage freilich hat sie oft gehört: «How do you keep working?». Und auch das subtil mitschwingende: «at your age ...» Nein: Twyla...

Durchhalten

«Furchtbar», sagt Franziska Grevesmühl. «Eine veritable Katastrophe», sagt Ralf Kokemüller. «Ein Kahlschlag ohne Ende», sagt Claudia Bauer. Genau wie die gesamte Kultur und das öffentliche Leben wurden auch die Tourneeveranstalter, die Tanzensembles in deutsche Säle holen oder auf Gastspielreise schicken, vom Virus abrupt auf null heruntergebremst. Anders aber als...

Adieu: Wera Goldman

Ihr dramatisches Solo «Dybbuk» tanzte sie noch 1998, kurz vor ihrem 77. Geburtstag, im Wiener Jüdischen Museum anlässlich meiner ersten Reihe «Wiener Tanz im Exil». Wera Goldman hatte Wien nach ihrer Flucht zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zwar schon 1947 wieder betreten.  Intensiv erlebt aber wurde diese charismatische, vitale Persönlichkeit in ihrer Geburtsstadt...