berlin: dummy lab
Leilani Francos Beine stehen weit über ihrem Kopf. Der Fuß fuchtelt vor ihrem Gesicht wie eine störende Wespe. Natürlich kann so etwas nur eine klassische Kontorsionistin. Sie trifft auf Florian Zumkehr und Alexis Vigneault. Deren Körper flattern an einer Pole-Stange als «human flag» – nur mit einer Hand sich haltend. Aber niemand ruft «Ah» und «Oh». Wie ein Tier kann der Artist scheinbar nicht anders. Wie eine Marionette hängt er an Fäden.
So erhebt sich Laurence Racine, kanadische Flugakrobatin in Bungee Straps, nicht etwa zur Königin der Lüfte, sondern ist wie ein Insekt ins Netz einer Spinne verstrickt. Die hybride Form ist gewollt. Sie ist das Prinzip des Neuen Zirkus und Leitmotiv der nicht mehr ganz so neuen Allianz von Artistik und Tanz, die längst auch das Varieté erreicht hat.
Das Varieté, hier das Chamäleon in den Hackeschen Höfen in Berlin, lebt einzig von Einnahmen, Getränken, Speisen, entsprechend frühem Einlass und einer Pause. Man sitzt an Tischen mit Freunden und siehe: All das stört die Kunst nicht im Geringsten, zumal im beiläufigen Groove des Berliner Live-Musikers Reecode und der Cellistin Lih Qun Wong eine Atmosphäre entsteht, in der ein echter Klassiker der ...
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Tanz Juni 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Arnd Wesemann
war im Ballett der Städtischen, später Deutschen Oper von 1952 bis 1965 eine der markantesten Persönlichkeiten. Den schroffen, expressiven «Berliner Stil» Tatjana Gsovskys verkörperte sie grandios: Klein, energiegeladen bis hoch explosiv hatte sie eine Präsenz, die bis in den 3. Rang feuerte. Das extrem schmale Gesicht mit dem langen Kinn verstärkte ihre aufrechte...
im juli: ohad naharin_________
Es gibt Stücke, die hauen einen immer wieder um. «Minus 16» zum Beispiel, zuletzt beim Ballett der Semperoper in Dresden zu sehen, ist so ein unwiderstehlicher, inzwischen
16 Jahre alter Ranschmeißer. Ohad Naharin, seit 1990 Leiter der Batsheva Dance Company, hat viele solcher Wunderwerke choreografiert – und damit nicht zuletzt einer...
Und plötzlich wird er melancholisch? Ausgerechnet Thierry Malandain, der sonst so kecke, freche, mit sinnlich-erotischer Inspiration spielende Erneuerer stellt im Zweiteiler «Nocturnes» und «Estro» Weltschmerz und die Beziehung zum Tod in den Mittelpunkt. Die beiden neuen Stücke verbreiten keine Jubelstimmung, sind vielmehr durchdrungen von Romantik und...
