Benoît Lachambre, Louise Lecavalier: «Is You Me»

Belgien

Tanz - Logo

Schluss mit dem Individuum. Die Grenze zwischen You und Me verschwindet. Das Eigene ist sowieso kaum zu erkennen. Dieses Stück von und mit Benoît Lachambre und Louise Lecavalier ist fast ein Puppentheater. Die Bühne: ein rampenartiger Klotz mit kleinem Bewegungsfeld. Rechts und links hantieren die Mitkreatoren, der Musiker Hahn Rowe und der Licht- und Bildkünstler Laurent Goldring. Auf der Rampe liegt ein stilisierter Oberkörper, Kopf, Arme, Rumpf: ein schwarzer Kapuzenpulli. Eine weitere schwarze platte Gestalt erscheint, ähnlich grob, wie ausgeschnitten, mit Beinchen.

Sie beult hier und da aus: eine ungelenk tanzende Projektion. Noch eine schwarze Figur mit Kapuze legt sich auf die Schräge und wabbelt ähnlich gemächlich mit den Hüften: ein Mensch? Die Geräusche aus dem Off, erst Klingeln und Zwitschern, werden rhythmischer. Unidentifizierbare Formen schweben herum wie Frühstückszerealien in der Ursuppe. Film und Bühne werden zum zerklüfteten Bild.
Jenes erahnbar weibliche Wesen verliert seinen Kopf, indem es ihn hinten über die Rampenkante hängen lässt. Zwischen zwei Wänden taucht ein größerer Zweibeiner in Weiß auf und gesellt sich mit wackelndem Spitzkapuzenkopf ins Bild, über ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2008
Rubrik: Der Kalender, Seite 47
von Melanie Suchy

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eine geniale Idee

Joint Adventures in München riefen auf, in nur 60 Sekunden, im Format des Werbeclips, ein «Choreographic Capture» zu filmen. Derzeit zeigen viele Kinos die Gewinner in ihrem Reklameblock. Man sieht den 1. Preis: Anna Dubrovkas «Rush». Ein paar Männer toben im Büro, wie von Lloyd Newson mit seiner DV8 in den 1980ern gefilmt. 2. Preis: Philippe Saire zeigt  einen...

Urs Dietrich: «Wohin»

Es liegt nicht nur am Plastikvorhang an der Rampe, wenn sich das Publikum im Bremer Schauspielhaus bei dieser Tanztheater-Premiere die Augen reiben muss. Nach Ensemblemitgliedern des Hauses sehen die Akteure nicht aus. Fettanzüge polstern Trainingsanzüge und Schlabberkleider aus. Tanz gerät mit dieser Bewegungsbremse schon im Ansatz zur Groteske. Ein paar Stühle...

Öper Öpis

Unablässig wächst in Frankreich der Kreis der Artisten. Hunderte von Zirkusschulen sind entstanden, und die Akademien spülen jährlich ihre Absolventen in Manegen und Theater. Doch richtige Truppen gibt es kaum noch. Heute bringen Kleinzellen die Recherche voran und ziehen immer weitere Umlaufbahnen, von Finnland bis Afrika, von politisch angehauchter Performance...