Benjamin Vandewalle
Die Seuche des interaktiven Theaters hat inzwischen den Tanz angesteckt. Auch dort kann das Publikum mittlerweile per Handyklick den Vorstellungsverlauf beeinflussen und neuen Wein in alte Schläuche füllen helfen. Ich hasse dieses alberne Getue aus tiefster Seele, deshalb war ich fest entschlossen, mir Benjamin Vandewalle in Brüssel nicht anzusehen, weil sein Tun als interaktiv angepriesen wurde. Aber denkste!- Ein belgischer Freund erklärte mir, das sei nicht das «doofe interaktive» Gemache, sondern ganz anders. Er überredete mich mitzukommen.
Was Vandewalle macht, ist in der Tat ganz anders. Und es ist toll. Bei «Walking the Line» greift das Publikum nicht in die Vorstellung ein, sondern es IST die Vorstellung. Am verabredeten Treffpunkt in der Nähe des Kaaitheaters werden wir begrüßt, setzen Gesichtsmasken auf, lernen einige Schrittfolgen und beginnen unseren Weg durch die Stadt, mal an einer Mauer entlang, mal über eine belebte Straße oder an einem Kinderspielplatz vorbei.
Die Stadt gerinnt zum Ton. Man verliert jede Orientierung, zumal wenn man sich nicht gut auskennt, erlebt den Alltag und seine Abstraktion auf eine neue, mitunter Angst einflößende Weise. Es ist eine ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 176
von Renate Klett
Ausgerechnet zwei Quereinsteiger. Ausgerechnet zwei Bühnenkünstler, die gar keine Tanz-, sondern eine Artistenausbildung absolviert haben, die niemals Ballett, dafür aber das Fliegen, Fangen, Werfen, Aufeinanderstehen, Menschentürme-Bauen gelernt haben – ausgerechnet diese beiden also haben zuletzt ein Stück Tanzgeschichte -respektvoll, originell in die Gegenwart,...
Nach seiner Ausbildung in klassischem und zeitgenössischem Tanz in Italien und Frankreich zog Dario Tortorelli 2001 in die Niederlande. Hier arbeitete er u. a. mit den Choreografinnen Conny Janssen, Ann Van den Broek und Lucinda Childs sowie mit der Kompanie Introdans zusammen. Seit Beginn seiner eigenen choreografischen Tätigkeit und der Suche nach dem perfekten...
Heimat – thuis oder vaderland im Niederländischen – ist für mich ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlt, der Ort der eigenen Herkunft, ein Ort an dem man sich sicher fühlt, der Ort, an dem man verwurzelt ist.
Die Ballettwelt und insbesondere Het Nationale Ballet ist für mich dieser Ort, an dem ich eine solche Verbindung am stärksten spüre. Aber «Heimat» ist ja...
