Ben van Cauwenbergh, Armen Hakobyan «Smile»

Essen

Tanz - Logo

Erst mal den Makel abarbeiten: Die Bühne des ansonsten ja immer noch fabelhaften Essener Aalto-Theaters knarzt in der Mitte bedenklich und scheint einer Überholung zu bedürfen. Denn die Tänzer (nur die Herren, echt wahr) haben ihre Mühe, tolle Sprünge hinzulegen, ohne an der neuralgischen Stelle ein Ächzen und Krachen der Unterlage auszulösen.

Das ist aber auch der gewichtigste Einwand gegen «Smile», eine liebevoll arrangierte Hommage an Charlie Chaplin – den unsterblichen Tramp, Brötchentanz-Choreografen, Zahnrad-Monteur und Rampenlicht-Matador, Diktator-Verschnitt … und was einem sonst noch so alles auf Anhieb einfällt. Denn der Schauspieler und Regisseur (1889 – 1977) gehört zweifelsohne zu den Leinwand-Gesichtern, die sich ins kollektive Gedächtnis eingegraben haben.

Am Aalto-Theater erwecken nun Ballettchef Ben Van Cauwenbergh und Armen Hakobyan (als Co-Choreograf) den Mann mit dem Image eines grandiosen Luftikus und Ladykillers zu neuem Leben – und porträtieren damit nicht nur den Künstler, sondern auch einen besessenen Perfektionisten. Insofern ist das Ballett ein Match – zumal die Produktion mit einer idealen Besetzung aufwarten kann. David Jeyranyan spielt Chaplin wie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2023
Rubrik: Kalender, Seite 41
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Renaissance

Es sind nur ein paar Zeilen, die Heinrich Heine um 1836/7 in einem größeren Zusammenhang veröffentlicht. Aber ihre Wirkkraft ist ungeheuerlich. Sein schönes Buch «De l’Allmagne» durchblätternd, stößt Théophile Gautier nur kurze Zeit später auf eine «bezaubernde Stelle», in der von den «Elfen in weißen Gewändern» die Rede ist, «von den Nixen, deren Satinfüßchen an...

Vermischtes 6/23

Notiert
Das Theater Osnabrück und Tanzdirektorin Marguerite Donlon gehen ab Sommer getrennte Wege. An mangelndem Publikumszuspruch kann es nicht liegen, Produktionen wie «Lorca» (tanz 5/23) liefen gut und bleiben auf dem Spielplan.

Die Choreografin Meg Stuart erhält das «Guggenheim Fellowship 2023» und plant eine «feministische, spirituelle und ökologische...

Blaues Licht

Tempo ist nicht alles im Tanz. Dimitri Chamblas tourt seit 2018 mit der kollektiven Performance «Slow Show», damals arbeitete der Choreograf mit Studierenden des California Institute of the Arts: Es ging um minimalistische, verlangsamte Bewegungen, beeinflusst von Trance, Exaltation und unbewussten Erinnerungen. Tanz, der im Verschwinden begriffen war, und gerade...