Basel: Richard Wherlock «Tod in Venedig»
Wenn Gustav von Aschenbach auf Tadzio schaut, tut sich ihm eine Welt auf, in der gestern, heute und morgen eins werden, das Vergängliche zu Schönheit wird und Schönheit zu Schrecken. Thomas Manns Novelle «Der Tod in Venedig» ist, wie ihr Autor vorschlug, als «Tragödie einer Entwürdigung» zu lesen, aber auch als Text über den Blick, über Wunsch und Wahrnehmung. Wir sehen Venedig durch die Augen Gustavs von Aschenbach, und hier setzt Richard Wherlock an.
Anders als bei John Neumeier, der Thomas Manns Schriftsteller in seiner Bearbeitung des Stoffes zu einem Choreografen machte, ist von Aschenbach in Wherlocks «Tod in Venedig» ein Fotograf, der alles und jedes ins Bild zu bannen sucht – und nichts auf die Spur kommt, weil er den Bildern ringsum erliegt.
Bruce French hat eine nach innen geschwungene Struktur auf die Bühne gestellt, die wie das Innere einer Muschel erscheint und die Video-Landschaften von Tabea Rothfuchs wiedergibt. So schauen wir, durch riesige Fenster eines Hotels oder eines Zuges, in eine Außenwelt, die zugleich die Innenwelt der Protagonisten spiegelt. Im Gefühlsstrudel schwimmen Fischschwärme über das Glas, der Regen pocht zur Tristesse des Herzens an die ...
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Tanz Juni 2018
Rubrik: Kritik 6/18, Seite 48
von Lilo Weber
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