barcelona: inbal pinto, avshalom pollak «bombyx mori»
H inter dem lateinischen Namen Bombyx Mori verbirgt sich der Seidenspinner, ein nützliches Insekt, das Inbal Pinto und Avshalom Pollak als Vorbild für ihre feinmaschige, stilistisch glänzende und leicht surrealistisch gefärbte Arbeit verwenden. Systematisch nimmt «Bombyx Mori» den Faden ihrer früheren Arbeiten auf und verwebt die Szenen mit dem Sekret einer immanenten Logik zu einer rätselhaften Landschaft mit Tänzern.
Buchstäblich wie aus einem Kokon heraus wird hier ein langer Faden von Tänzen gesponnen.
Da tritt in einer der ersten Szenen ein dunkelhäutiger Minstrel-Sänger mit geweißtem Gesicht auf, ein Vertreter der alten US-amerikanischen Form des Entertainments. Er hält ein Stück Holz in der Hand, ähnlich dem Schiffchen, das man zum Weben benutzt, und geht damit auf eine Frau zu, die aus einer Falte des hinteren Vorhangs heraustanzt. Sie torkelt, er hält sie vergeblich fest und fixiert sie deshalb, indem er sie mit weißem Band an den schwarzen Vorhang bindet. Sieht aus, als sei sie in einen Kokon eingewebt. Ist sie gefangen oder beschützt, ist sie verärgert oder zufrieden? Ist sie, so schön er sie auch dahin drapiert haben mag, Objekt oder Subjekt? Man ahnt es nicht einmal.
D ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2012
Rubrik: highlights, Seite 48
von Ora Brafman
buch_________
sasha waltz
beendete ihr letztes Interview für eine Buchreihe namens «Nahaufnahme» im Sommer 2007 mit einem «ganz banalen Wunschtraum»: «Mal wieder richtig Zeit zu haben.» Das war nötig. Denn vier Jahre später erzählt sie Michaela Schlagenwerth mit großer Offenheit, in welchem Zustand sie damals tatsächlich war. Bei der Wiederaufnahme ihres Stücks...
...und der Sommer verlangt nach Sensation, nach ganztägigem Sonnenschein. Eine organisierte Auszeit soll er sein, zugleich ein Festival rund um die Uhr. Er drückt Menschenmassen in die Stadien und auf die Straßen, sogar in Rudolstadt, einer Kleinstadt in Thüringen. Man schreibt den Sommer 1955. In Rudolstadt wird der Laientanz organisiert, man zählt auf Anhieb 3000...
Der Kolonialismus ist auch hundert Jahre nach dem Roman «Reise um die Erde in 80 Tagen» von Jules Verne nicht tot. Er hat nur, folgt man Michele Di Stefano und seiner Kompanie MK, einen neuen Namen angenommen: Tourismus heißt der neue Kolonialismus.
Darüber kann man streiten, aber in beiden Fällen geht es um eine, gelinde gesagt, verquere Haltung zum Reisen. Um das...
