Ballerinas Welt
Edgar Degas hätte an dem Film seine Freude gehabt. Wann immer die Kamera auf dem Gesicht einer Tänzerin verweilt, verklärt sich ihr Blick. Aufs Schönste ausgeleuchtet, erscheint das Schicksal einer «Ballerina» so unangestrengt, leichtfüßig, ohne jede Erdenschwere. Nichts kann ihren Höhenflug noch hemmen.
Aber die Dokumentation von Bertrand Normand beweist so abschreckend wie eindrucksvoll auch das Gegenteil. Eine einzige Audition in der Vaganova Ballettakademie genügt, um einem die Augen zu öffnen, was künftige Künstlerinnen an Kasteiung erwartet.
Wie Tiere werden die halbnackten Schülerinnen zur «Schlachtbank» geführt, wo ein Pädagoge vor versammelter Kollegenschaft ihre kindlichen Körper in jede noch so unnatürlich anmutende Haltung zwingt und dabei auf ihre Scham keinerlei Rücksicht nimmt.
Hauptsache, das «Material» stimmt. Das sei in der Rossi-Straße und nebenan am Theaterplatz nun in guten Händen. Monatelang hat sich der Filmemacher in St. Petersburg umgetan. Alle wichtigen Größen kommen bei ihm zu Wort, Altynay Asylmuratova, Olga Chenchikova, Galina Kekisheva, Olga Moiseyeva, Ludmila Safronova und wie die ehemaligen Ballerinen alle heißen. Der Generaldirektor des Mariinsky, ...
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