Cocoondance: «Orlando – Scrapped»
Romantische Rittergestalten hatten es dem Renaissance-Dichter Ludovico Ariost sehr angetan. In seinem Epos «Orlando furioso» ersann er die Figur des Rasenden Roland, der aus Zuneigung zu einer chinesischen Prinzessin wahnsinnig wird. Um seinen liebeskranken Helden spann Ariost dabei zahllose Erzählstränge mit Figuren, die nach der Auflösung der mittelalterlichen Weltordnung die Orientierung verloren.
So rennen und traumwandeln Versprengte, Vereinsamte und Verliebte auch bei «Orlando – Scrapped» an der Oper Bonn herum wie in einem lunaren Irrgarten.
Lunar, weil die Choreografin Rafaële Giovanola sich auf die «Mondepisode» des Epos konzentriert. Darin reitet Prinz Astolfo 500 Jahre vor Harry Potter auf einem Hypogryphen zum Mond, um Rolands verlorenen Verstand zu suchen. Der Mond ist das Fundbüro für alles, was auf Erden verloren geht. Rolands Verstand ruht dort in einer Ampulle. «Orlando – Scrapped», zersplittert, so wirkt die Version des freien Bonner Ensembles Cocoondance nicht nur auf den ersten Blick. Labyrinthisch angelegt wie bei Ariost, fehlt dem Tanzstück der Ariadnefaden. Hier eine niedliche, zeitweise hysterische Prinzessin im bauschenden Goldkleid, dort Ritter balzend wie ...
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