Baden-Baden, Hamburg: John Neumeier «Ghost light»

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Viktorianischer Theater-Aberglaube: Nach der Aufführung brennt ein einzelnes Licht auf der Bühne, die gesamte Nacht durch, bis zur Probe am nächsten Tag, um den Theatergeistern Gelegenheit zum Spiel zu geben, sobald die Lebenden die Szene verlassen haben. Später setzten die US-Bühnengewerkschaften durch, dass das «Ghost Light» eine Pflichtpause anzeigt. Bei John Neumeiers Hamburg Ballett brennt es entsprechend seit über einem halben Jahr: Die letzte Aufführung in der Hamburgischen Staatsoper war im Januar, dann folgte die Corona-Zwangspause.

Die ersten Proben fanden einzeln statt, über die Konferenz-App Zoom, mit Tänzern, die sich daheim ein kleines Stück Tanzboden auslegten und so Szenen entwickelten. Daraus entstand «Ghost Light»: eine Folge von Sentenzen, Stimmungen, die ein zum Verstummen gebrachtes Ensemble beschreiben. «Ein Ballett in Corona-Zeiten» lautet der Untertitel, ein für Neumeier untypischer Gegenwartsbezug. Ansonsten geben die Pandemieregeln die Choreografie vor: Tänzer bleiben auf Abstand, nur wer privat zusammenlebt, darf sich berühren.

Bei einer Neumeier-Choreografie sind solche Regeln ungewohnt, gilt der Altmeister der Neoklassik doch als begnadeter Arrangeur ...

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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Kritik, Seite 38
von Falk Schreiber

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