Einfach: Der Vogel
Warum haben eigentlich nur die Primaballerinen das Privileg, mit einem Artikel der Einmaligkeit ausgezeichnet zu werden? Also «die» Pawlowa, aber nicht «der» Nijinsky. Sonst würde ich gerne sagen: «der» Vogel, in aller Doppeldeutigkeit, denn «der» Vogel fliegt. Friedemann ist im Tanz ein wunderschön schillernder Vogel. Außerdem ist «der» Vogel für mich ein Bildhauer: Durch Training von Kind auf und durch bewusste Arbeit im erwachsenen Leben hat er aus der uns gegebenen Anatomie und Muskelmasse ein Standbild geformt, wie Praxiteles es nicht besser gekonnt hätte.
Und dieses harmonische Gebilde bewegt sich auch noch, wovon der antike Künstler nur träumen konnte.
Zugegeben – ich verstehe nichts vom Tanz. Ich schaue zu, gerate ins Träumen und mache mir so meine Gedanken. Genauer gesagt, ich weiß nur das, was ich als Zuschauer bei Nurejew und Nicolas Le Riche sehen konnte, als Freund und Probenbeobachter bei William Forsythe und Friedemann Vogel – dem Vogel eben. Also zuerst das Sinnliche, den Körper, dann seine Bewegung, von der Statik zur Schwerelosigkeit, schließlich den Ausdruck. Am Anfang der Eros, man verliebt sich in einen Körper. Ist der Eros erst mal angefacht, folgt die ...
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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Menschen, Seite 28
von Volker Schlöndorff
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Dance me to the end of love
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