Ausstellungen 8/21
ROBERT WILSON «DANCING IN MY MIND»
Finger, knorrig wie Wurzeln. Zehen, verkrümmt, aber in Bewegung: Als die Tänzerin und Choreografin Suzushi Hanayagi, an Alzheimer erkrankt, in einem Altenheim in Osaka drei Jahre lang kein Wort mehr gesprochen hat, sucht Robert Wilson sie dort auf. Er spricht mit Gesten aus gemeinsamen Arbeiten ihre Körper-Erinnerung an, im wortlosen Zwiegespräch. Sie waren Freunde, seit der junge Wilson in New York eine künstlerische Gleichgesinnte in Hanayagi entdeckte.
Aus einer der ältesten Künstlerfamilien Japans stammend, war sie geschult in Nô, Bunraku, Kabuki. In den frühen 1960ern verließ sie ihre Familie, um bei Judson Church ihren eigenen Visionen zu folgen. In der Berliner Akademie der Künste ist nun im Rahmen der Ausstellung «Arbeit am Gedächtnis. Transforming Archives» die letzte künstlerische Begegnung beider als Video-Installation zu sehen. Wilson filmte Hanayagi – ihre Hände, die beredten Füße, das würdevolle, unbewegte und doch ungeheuer belebte Gesicht, weiß geschminkt wie für einen Auftritt. Der Titel «Dancing in my Mind»: Die Worte, die Hanayagi zum Abschied an Wilson richtete. Ich tanze im Geiste. Bis 19. September; www.adk.de
Elena Philipp
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Tanz August/September 2021
Rubrik: kalender, Seite 37
von
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