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DER WEISSE TURM VON MULEGNS
Wer das Modell des «Weißen Turms» von Mulegns für das Werk eines Zuckerbäckers hält, liegt gar nicht so falsch. Tatsächlich haben die Familien Poltera und Jegher dem Bergdorf im Schweizer Kanton Graubünden einst zu einem gewissen Wohlstand verholfen, nachdem sie im Ausland mit ihren Patisserien das große Geld gemacht hatten. Inzwischen wohnen in Mulegns gerade mal 16 Menschen: zu wenig, um der Gegend touristischen Auftrieb zu verschaffen.

Seit 2005 versucht die Nova Fundaziun Origen unter ihrem Intendanten Giovanni Netzer deshalb mit einem Festival und architektonischen Artefakten, die Gegend wieder zu beleben. Nach dem Julierturm soll 2022 in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich ein «Weißer Turm» gebaut werden, dessen Einzelteile im 3D-Verfahren gedruckt werden: 29 Meter hoch, mit einem Kuppelsaal, der 45 Zuschauern Platz bietet und als Veranstaltungsort auch für Tanz und Performance dienen soll. Das Ganze ist ein kristallines Kunstwerk auf schneeweißen Säulen, hochgetürmt auf über 4000 vorgefertigten Betonschichten, maximal 5 mm dick und 20 mm breit. Das ist nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig, weil der Turm nach fünf Jahren wieder ab- und ...

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Tanz August/September 2021
Rubrik: side-step, Seite 16
von

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