Schöner Bruch

Nadine Ijewere war 2019 weltweit die erste schwarze Fotografin, die ein Cover für die «Vogue» fotografieren durfte. 2019 war auch das Jahr, in dem afrikanische Modemacher international Furore machten, als ihre nur scheinbar traditionellen Schnitte und Muster als Ausdruck ihrer Identität auch bei den Modekonzernen Anerkennung fanden.

Nadine Ijewere, mit nigerianischen und jamaikanischen Wurzeln in London aufgewachsen, hatte zuvor am dortigen Modecollege Fotografie studiert.

Und sich von Anfang an spezialisiert: auf nicht-weiße Models, die sie auch gern tanzen lässt, um ihnen ihren Charme und ihre Unvollkommenheit zurückzugeben. In ihren fotografischen Serien widersetzt sie sich den inszenierten Schönheitsnormen der Industrie und liefert als farbenfrohen Gegenentwurf lauter Androgyne, Sommersprossige, Verschleierte – die ganze Buntheit einer meist weiblichen Welt. Sie lockt sie aus der Pose heraus, um mit körperlichem, also tänzerischem Selbstbewusstsein der Kamera und damit der Welt entgegentreten zu können.

«The Misrepresentation of Representation» hat Ijewere eine frühe Serie genannt – nicht ohne Wut. Schwarze Kulturen unterliegen den Klischees aus Stammesritualen, ...

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Tanz August/September 2021
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Redaktion

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