Außenseiter

Alan Lucien Øyen feiert mit tanzmainz den «Underdog»

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Wenn eine Schulklasse vom Frontalunterricht zur Gruppenarbeit wechselt, wird das Klassenzimmer umdekoriert. Die bis dato auf die Lehrkraft ausgerichteten Tische und Stühle werden umgestellt, es bilden sich kleine Haufen und Verknotungen, und nach ein paar Stunden hat sich das chaotische Durcheinander in eine neue Ordnung verwandelt. Wer dann an einem fremden Platz sitzt, stört die Ordnung, das ist schwierig auszuhalten.

Der Mensch scheint den Wunsch nach klaren Strukturen in sich zu tragen, und wenn diese Strukturen verletzt werden, dann benötigt er ein gewisses Maß an Toleranz, um damit umzugehen. Diese Toleranz heißt: Er toleriert die Außenseiter, die Underdogs.

Alan Lucien Øyen untersucht diese Mechanismen ausgiebig bei seiner ersten Arbeit für tanzmainz. Immer wieder schleppt das Ensemble Stühle auf die Bühne (Åsmund Færavaag) des Mainzer Staatstheaters, ordnet sie, setzt sich, spiegelt das Publikum. Und schafft so Strukturen, aus denen Einzelne ausbrechen, um dann wieder eingenordet zu werden. «Vielleicht könnte ich atmen, wenn es mir nicht so wichtig wäre, dass ihr mich mögt», ruft Daria Hlinkina, dann tanzt sie ein paar expressive, weit ausholende Bewegungen, und dann ist ...

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Tanz Juli 2025
Rubrik: Produktionen, Seite 16
von Falk Schreiber

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