Aterballetto: «InCanto dall’ Orlando Furioso»
Das Stück von Mauro Bigonzetti entstand ursprünglich für den mehrteiligen Abend «Canto». Es wuchs mit der Zeit und wurde, mit dem Vorsatz «In», zu einem eigenständigen Werk. «InCanto» bedeutet eigentlich Charme, wobei die Vorsilbe im Italienischen auch nahelegt, dass hier nicht gesungen wird. Stattdessen geht es um die Verzauberung, um das «enchantment» (wörtlich: das Einsingen) von Orlando.
Orlando war einer der zwölf Gefolgsleute Karls des Großen bei seinem Kreuzzug gegen die Sarazenen.
Ludovico Ariosto (1474-1533) besang ihn in «Orlando furioso» als einen «Verrückten». Nach diesem Ariost ist auch ein schönes Theater in seiner Geburtsstadt Reggio Emilia benannt, dem Sitz der nun genau dreißig Jahre alten Kompanie Aterballetto.
Es war noblesse oblige, dass Bigonzetti dem Dichter ein ganzes Ballett zu widmen scheint. «Orlando furioso» folgt dem unvollendeten Werk «Orlando innamorato» eines anderen italienischen Dichters, Matteo Maria Boiardo. Bei ihm verliert Orlando seinen Verstand und muss zum Mond reisen, um ihn wiederzufinden. Bei Bigonzetti fehlen allerdings sämtliche der schönen Details, die Mondreise, die Begegnung mit dem Monster Hippogriff oder die Liebe der christlichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wären sie echt, dann wären sie eine echte Sensation: sekundenkurze Film-Clips des tanzenden Vaslav Nijinsky, circa 1912, entsprechend körnig, düster und verwaschen, für alle frei zugänglich auf YouTube. Unsere Autorin Annette von Wangenheim machte uns auf den Aufruhr im Netz aufmerksam. Sie nahm uns allerdings auch gleich die Hoffnung, dass hier tatsächlich einer...
Ein Stück über den Holocaust? Ein Stück über «uns», die dritte Generation, die nicht mehr und noch immer betroffen ist von der Wucht einer unbegreiflichen Vergangenheit? Ein Stück über Bilder, die uns beim Aufwachsen begleiteten, Erzählungen und Albträume, die uns unsere Großeltern mitgaben? Der Berg an Fragen, den der Hamburger Choreograf Jochen Roller an sein...
Die pariser rencontres
das ist Verantwortung gegenüber einer wichtigen wilden Tradition. Entsprechend ist aus dem Wettbewerb mit Weltrang inzwischen ein Mammutfestival der kompromisslosen und buchstäblich unvermittelten Tanzkunst geworden: Rencontres chorégraphiques internationales de Seine-Saint-Denis. Die langjährige Chefin Anita Mathieu hat ein bemerkenswertes...
