Olga Desmond: Preussens nackte Venus
Preussen nackte Venus, das klingt – als Untertitel eines Buchs und einer Ausstellung – nicht eben sexy, sondern nach Erstem Weltkrieg. Die Monarchien und ihre Stützen, die Kirchen, bröckelten. Die Bühnen spielten Arthur Schnitzlers libertinen «Reigen», Isadora Duncan tanzte barfuß.
Die Emanzipation der Frau begann – als Teil der Freikörperkultur und der Anarchisten. Die Freiheit, das Unwort des Jahrhunderts, störte die «öffentliche Ordnung». Kommunisten meinten den Arbeiter zu befreien, Nationalisten wollten das Vaterland befreien.
Mittendrin befreite sich der nackte Körper der Reformer und des Tanzes von einer sterbenden Kultur.
Neben Isadora Duncan tourte die heute vergessene Olga Desmond mit einer Kompanie namens The Seldoms und stellte bekannte Marmorskulpturen für ein reiches Publikum nach.
Nackt trat sie aus diesen «Lebenden Bildern» hinaus in die von ihrem Impresario Karl Vanselow veranstalteten «Schönheit-Abende». Olga Desmonds Nackttänze waren ein Riesenerfolg u. a. im Neuen Schauspielhaus am Berliner Nollendorfplatz – der ein Ort der sexuellen Befreiung blieb.
Die 1890 Geborene tanzte hier den «Schwertertanz», als wäre sie die reine Unschuld inmitten einer Phalanx ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Zur Geschichte des Tanztheaters von der Avantgarde bis heute
Loïe Fuller
Anita Berber - eine Hommage
Seine zwei neuen Stücke orgeln gewaltig. In «O Domina Nostra» zuckt katholische Passionspracht durch die Finger des polnischen Komponisten Henryk Górecki; in «Cobalto» zanken sich ein komponierender Philosoph, Pedro Alcalde, und ein richtiger Barceloneser Avantgardist aus dem Stall von Marcel.lí Antúnez, Sergio Caballero, um sämtliche Register und Pfeifen der...
Monte Carlo
«Étonnez-moi», soll Sergei Diaghilev zu Jean Cocteau gesagt haben. Unter diesem Titel gibt es nicht nur im Neuen Nationalmuseum von Monaco, in den Räumen der Villa Sauber und im Sporting d’Hiver, eine Ausstellung zum Thema «Serge Diaghilew et les Ballets Russes». Jean-Christophe Maillot, Direktor der Ballets de Monte-Carlo, scheint selbst mit seinem...
Was wie ein schlichtes Ferienhäuschen aussieht, das hier dem Bagger zum Opfer fällt, war seit 1961 das Sommerdomizil der Dresdner Tanzpädagogin Gret Palucca (1902–1993). Es stand bis zum 20. März etwas verkommen in Vitte auf der Insel Hiddensee. Die Bagger schoben alles zusammen, «hinterließen nur einen Schutthaufen», so die Augenzeugin und Geschäftsführerin der...
