Arco Renz: «I!2»
Bei den von Anita Mathieu gestalteten Rencontres chorégraphiques setzte Arco Renz dem Genre des Minimalismus mit «I!2» die japanische Krone auf. Ein Bremer, der im Brüsseler Schmelztiegel von Anne Teresa de Keersmaekers P.A.R.T.S. zum Weltbürger wurde, den es in den letzten zehn Jahren nach Asien zog. Die Folgen sind nicht zu übersehen. Das Duo mit der unvergleichlichen Lisbeth Gruwez (die sich für Jan Fabre von Olivenöl überströmen ließ) und Melanie Lane wirft die Frage auf, ob Europäer Butoh «tanzen».
Hätte Renz zwei Japanerinnen für die gleiche Choreografie gewählt, wäre es Butoh. Renz aber untersucht hier vor allem, wo Individualität anfängt, eine Frage, die sich westliche Choreografen zur Zeit verstärkt stellen, irritiert vom wachsenden Druck der Norm auf das Verhalten in der Öffentlichkeit, im Konsum und in der Sexualität.
Über der leeren, kalt-schwarzen Bühne flackert ein weißes Raster aus dünnen Neonröhren. Dröhnend ratternde Tonschleifen öffnen Landschaften industrieller Albträume. Menschliche Regungen vegetieren nur noch unbewusst. Wer hier überlebt, ist ausgeliefert. Gruwez und Lane bewegen sich wie ferngesteuert. Schon darum ist «I!2» kein Butoh. Es fehlt die ...
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