Meg Stuart
Wenn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht und die Flut droht, wird man in Meg Stuarts Geburtsstadt mit Jazz und dem Geruch frisch gekochter Garnelen empfangen. Bei Sonnenuntergang: Dixie und französische Sprache. In der Nacht: Freizügigkeit und strenger Katholizismus. Mittendrin in New Orleans wohnen die Unsichtbaren, die Geister der Verstorbenen. Sensible Bewohner behaupten: Wie du die Welt wahrnimmst, hängt davon ab, was du in dir trägst. Dann raunen sie, die Stadt am Golf von Mexiko sei voll von Ahnungen und Vorbestimmung.
Auch wenn sie ihre Geburtsstadt früh verließ, mir scheint, Meg Stuart nahm diese Unsichtbaren aus New Orleans einfach mit. In ihren Werken sieht es oft aus, als übernähmen Geister die Körper der Tänzer. Lauter Besessene, die von einer unbekannten Macht gesteuert werden. Vom Theater selbst sagt Meg Stuart mit rauer Stimme: «Ich bin im Theater aufgewachsen. Meine Eltern waren beide Theaterregisseure, alles drehte sich ums Theater.» Sie lächelt geheimnisvoll, steht in der opulenten Bühne von «Maybe Forever», ihrem Stück, das sie zusammen mit dem Österreicher Philipp Gehmacher inszenierte – rote Vorhänge und ein riesiges schwarz-weißes Bildnis. Es zeigt ...
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