Orgy of Tolerance
Jan Fabres jüngstes Werk, «Orgy of Tolerance», beginnt mit einer brutalen Szene. Zwei Frauen und zwei Männer treten in altmodisch-weißer Männerunterwäsche auf, dazu tragen sie eine Kappe, schreiend bunte Socken und Lacklederschuhe. Es gibt keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, weder in diesem demütigenden Kostüm noch bei dem, was jetzt auf sie zukommt.
Eine Pfeife trillert, vier weitere Tänzer treten auf (alle mit einem Gewehr auf dem Rücken, man ahnt nichts Gutes).
Von ihnen erhalten sie je eine Pille, Viagra wahrscheinlich, denn auf einen erneuten Pfiff hin beginnen die beiden Männer und Frauen wie verrückt zu masturbieren (zumindest tun sie so als ob, bei den Mädchen lässt sich das schlecht nachprüfen). Umso wilder feuern die «Trainer» sie an. Die vier sollen so oft wie möglich kommen. Sie geben sich auch ernstlich Mühe. Sie kommen. Noch mal und noch mal. Eine Farce wird es erst, wenn die Beatles «Come together» singen. Vor wenigen Jahrzehnten hätte eine solche Aktion auf der Bühne mindestens Proteste hervorgerufen, Polizei wäre gekommen und die Show verboten worden. Jan Fabre erinnert sich gut an solche Zeiten. Der jetzt 50-Jährige weiß: Heute passiert bei derlei ...
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