Angelin Preljocaj «Abend der Engel – Annonciation/La stravaganza»

Halle

Tanz - Logo

Seit 2019 hat Michal Sedláček das Ballett Halle kommissarisch geleitet, jetzt ist er auf Dauer berufen worden. Was eine probate Lösung ist, denn der Tscheche steuerte die Kompanie nicht nur sicher durch die Corona-Krise – Streaming inklusive. Vielmehr hat er gerade erst einen Glücksgriff getan: mit dem Einkauf eines zweiteiligen Abends vom französisch-albanischen Tanzcouturier Angelin Preljocaj. Der ist bekannt für attraktive Linienführung, elegante Choreografie, anspruchsvolle Technik – eine neoballettöse Mixtur, die man so kaum in der Saale-Stadt erwartet.

Schließlich hat Sedláčeks Vorgänger, der kürzlich verstorbene Ralf Rossa (tanz 5/21), das Repertoire hier zwanzig Jahre lang mit durchaus sehenswerten Klassiker-Relektüren und Literaturadaptionen bestückt. Doch am Ende des siebzigminütigen Preljocaj-Programms befinden die Hallenser Damen in Parkettreihe 8: «Die Tänzer sind allesamt mindestens eine Klasse über sich hinausgewachsen!» Selbst der Herr, der sich soeben noch über die musikalische Geräuschkulisse von Robert Normandeau – «Presslufthammer!» – beklagt hat, applaudiert begeistert. 

«Annonciation» hat Preljocaj 1995 für zwei Tänzerinnen geschaffen: als weltliche Variation ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz 7 2022
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Grenzenlos

Aus der Ferne läuten Glocken. Gleichmäßig und wie für die Ewigkeit künden sie vom Tod, als fünf Tänzer in dunklen Anzügen den Raum durchschreiten, ihre Rücken zum Publikum gekehrt. Wie im unsichtbaren Takt fallender Dominosteine zieht einer nach dem anderen langsam seine Hand aus der Hosentasche. Und wirft Asche in den Raum. Fast melancholisch schweben die Flocken...

Johan Inger «Peer Gynt»

Zwei Dinge hat die Kritikerin an diesem Abend gelernt: 1. Niemals auf Google verlassen! 2. Was richtig gut ist, wirkt selbst im Mitschnitt aus der Totalen! Und richtig gut ist dieser «Peer Gynt», von Johan Inger 2017 in Basel uraufgeführt und jetzt als Deutschlandpremiere beim Ballett der Dresdener Semperoper angelangt. Wo die Journalistin in die Verlegenheit kam,...

Christopher Wheeldon «Like Water for Cchocolate»

Christopher Wheeldon hat es geschafft, «Bittersüße Schokolade» (so der deutsche Titel des Erstlingsromans «Como agua para chocolate» der mexikanischen Schriftstellerin Laura Esquivel) in ein fesselndes Ballett zu verwandeln. Und das, obwohl das Buch zum schwer fasslichen Genre des Magischen Realismus zählt, in dem fantastische Vorkommnisse ein ansonsten vollkommen...