Grenzenlos
Aus der Ferne läuten Glocken. Gleichmäßig und wie für die Ewigkeit künden sie vom Tod, als fünf Tänzer in dunklen Anzügen den Raum durchschreiten, ihre Rücken zum Publikum gekehrt. Wie im unsichtbaren Takt fallender Dominosteine zieht einer nach dem anderen langsam seine Hand aus der Hosentasche. Und wirft Asche in den Raum. Fast melancholisch schweben die Flocken zu Boden, wie ein schwarzer Gruß aus dem Krieg.
Abwechselnd, unvermittelt lassen sich die Tänzer dann fallen, rollen schnell und hart über den Boden, stehen zügig wieder auf und schreiten weiter, um kurz darauf ihre Scores zu wiederholen. Ein Bewegungs-Dreiklang aus: Schreiten, Fallen und Rollen. Drei Tänzerinnen eilen fast schwerelos hinzu, krümmen sich plötzlich wie vor Schmerz über die am Boden liegenden Körper, umarmen sie mit expressiven, fast manieriert ausladenden Bewegungen. Man sieht Trauer, Verzweiflung und Wut. Dieser Refrain des Todes wiederholt und steigert sich. Die Bewegungen werden größer, getriebener, panischer; die hohen Sprünge energischer. Mit weiten Gesten und gespreizten Fingern greifen die Tänzer*innen bald in die dunklen Tiefen des Raums. Kreisen ihre Arme so schnell wie Windmühlenflügel. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz 7 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Katrin Ullmann
Wie er da sitzt, in der Mediathek des Berliner Staatsballetts, möchte man kaum glauben, dass der Mann ein Problem hat. Marian Walter hat sich in einem Korbsessel niedergelassen, er wirkt frisch und aufgeweckt, ist gespannt, was auf ihn zukommt. Er ist ein bisschen schmaler im Gesicht als früher, das schon. Aber wie es um seine Gesundheit steht, wird niemand...
«Schön» – das ist hier pink, klotzig, leuchtend. Fünf magentafarbene LED-Buchstaben stehen im Innenhof des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik: SCHÖN. Ob dieses SCHÖN nun schön ist, oder doch nicht eher scheußlich-schön, aufdringlich und provokant, darüber möchte man sofort diskutieren. Aber bevor ich den Mund aufmache, lächelt es neben mir: «Dieses...
Auditions
Marcel Leemann Physical Dance Theater, Bern
sucht für die neue Tanzproduktion «Confessio» im September/Oktober 2022 Tanzabsolvent*innen (Abschluss 2021/22) und Tänzer*innen in Ausbildung (Praktikumsstelle) mit guter zeitgenössischer, klassischer und/oder urbaner Tanztechnik.
Audition: 9. Juli; Bewerbungsschluss: 8. Juli; www.marcelleemann.ch
Fortbildunge...
