Grenzenlos

Kampnagel, Hamburg Ballett und Tänzer*innen des Ukrainischen Nationalballetts heben einen einzigartigen Mehrteiler aus der Taufe

Tanz - Logo

Aus der Ferne läuten Glocken. Gleichmäßig und wie für die Ewigkeit künden sie vom Tod, als fünf Tänzer in dunklen Anzügen den Raum durchschreiten, ihre Rücken zum Publikum gekehrt. Wie im unsichtbaren Takt fallender Dominosteine zieht einer nach dem anderen langsam seine Hand aus der Hosentasche. Und wirft Asche in den Raum. Fast melancholisch schweben die Flocken zu Boden, wie ein schwarzer Gruß aus dem Krieg.

Abwechselnd, unvermittelt lassen sich die Tänzer dann fallen, rollen schnell und hart über den Boden, stehen zügig wieder auf und schreiten weiter, um kurz darauf ihre Scores zu wiederholen. Ein Bewegungs-Dreiklang aus: Schreiten, Fallen und Rollen. Drei Tänzerinnen eilen fast schwerelos hinzu, krümmen sich plötzlich wie vor Schmerz über die am Boden liegenden Körper, umarmen sie mit expressiven, fast manieriert ausladenden Bewegungen. Man sieht Trauer, Verzweiflung und Wut. Dieser Refrain des Todes wiederholt und steigert sich. Die Bewegungen werden größer, getriebener, panischer; die hohen Sprünge energischer. Mit weiten Gesten und gespreizten Fingern greifen die Tänzer*innen bald in die dunklen Tiefen des Raums. Kreisen ihre Arme so schnell wie Windmühlenflügel. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz 7 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Katrin Ullmann

Weitere Beiträge
Basler Blüten

Es war der ergreifendste Theaterabend der Spielzeit. Im Oktober zeigte das Ballett Theater Basel im Theater Winterthur «Gloria», ein Stück, pandemiegeboren wie viele andere auch, ein Experiment und etwas ganz Besonderes wie alle von ihnen. Choreografiert wurde «Gloria» von acht Mitgliedern der Kompanie und dem Direktor Richard Wherlock als Antwort auf die Krise....

Praxis klein 7/22

Bundesjugendballett
DIE UNSICHTBAREN 
Irgendwann, irgendwie muss es ihn gepackt haben, was angesichts seines Faibles für historische Stoffe und Figuren vielleicht gar nicht mal so verwunderlich ist: John Neumeier entwirft für das Bundesjugendballett eine Collage aus Texten, Musik, Gesang und Tanz, die den «Unsichtbaren» Leben einhaucht – jenen Künstler*innen, die...

Johan Inger «Peer Gynt»

Zwei Dinge hat die Kritikerin an diesem Abend gelernt: 1. Niemals auf Google verlassen! 2. Was richtig gut ist, wirkt selbst im Mitschnitt aus der Totalen! Und richtig gut ist dieser «Peer Gynt», von Johan Inger 2017 in Basel uraufgeführt und jetzt als Deutschlandpremiere beim Ballett der Dresdener Semperoper angelangt. Wo die Journalistin in die Verlegenheit kam,...