Grenzenlos
Aus der Ferne läuten Glocken. Gleichmäßig und wie für die Ewigkeit künden sie vom Tod, als fünf Tänzer in dunklen Anzügen den Raum durchschreiten, ihre Rücken zum Publikum gekehrt. Wie im unsichtbaren Takt fallender Dominosteine zieht einer nach dem anderen langsam seine Hand aus der Hosentasche. Und wirft Asche in den Raum. Fast melancholisch schweben die Flocken zu Boden, wie ein schwarzer Gruß aus dem Krieg.
Abwechselnd, unvermittelt lassen sich die Tänzer dann fallen, rollen schnell und hart über den Boden, stehen zügig wieder auf und schreiten weiter, um kurz darauf ihre Scores zu wiederholen. Ein Bewegungs-Dreiklang aus: Schreiten, Fallen und Rollen. Drei Tänzerinnen eilen fast schwerelos hinzu, krümmen sich plötzlich wie vor Schmerz über die am Boden liegenden Körper, umarmen sie mit expressiven, fast manieriert ausladenden Bewegungen. Man sieht Trauer, Verzweiflung und Wut. Dieser Refrain des Todes wiederholt und steigert sich. Die Bewegungen werden größer, getriebener, panischer; die hohen Sprünge energischer. Mit weiten Gesten und gespreizten Fingern greifen die Tänzer*innen bald in die dunklen Tiefen des Raums. Kreisen ihre Arme so schnell wie Windmühlenflügel. ...
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Tanz 7 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Katrin Ullmann
«Schön» – das ist hier pink, klotzig, leuchtend. Fünf magentafarbene LED-Buchstaben stehen im Innenhof des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik: SCHÖN. Ob dieses SCHÖN nun schön ist, oder doch nicht eher scheußlich-schön, aufdringlich und provokant, darüber möchte man sofort diskutieren. Aber bevor ich den Mund aufmache, lächelt es neben mir: «Dieses...
Deutschland
Altenburg Theaterzelt Premiere «Erzählte Erinnerungen», Choreografien von Yuri Hamano und Fang Yi Liu mit den Eleven*innen des Thüringer Staatsballetts. 1., 2. Juli «Forever Lennon», Ballett von Silvana Schröder zu Musik von John Lennon und den Beatles. 9., 17. Juli; www.theater-altenburg-gera.de
Berlin
Admiralspalast «Star Dust – From Bach to Bowie»...
Der Tanz inspirierte Mozart. Und Mozart inspirierte wiederum die Choreografen Luca Signoretti und Georg Reischl: In zwei tänzerischen Essays visualisieren sie im Theater Regensburg Mozarts Kompositionsstil und seine Rezeptionswirkung. Das Ergebnis ist mitreißend.
Zu Mozarts Streichquintett Nr. 3 in C-Dur verwandelt Signoretti die Tänzer*innen in Musiknoten. In...
