Andonis Foniadakis «Ikarus»
Daedalus und sein Sohn Ikarus wollen fliegen, basteln Flügel, zusammengehalten mit Wachs. Daedalus weiß, dass man nicht zuviel erwarten sollte: nicht zu hoch, aufpassen! Aber der Sohn hört nicht, nähert sich der heißen Sonne, das Wachs schmilzt, der Flug wird instabil, Ikarus stürzt ins Meer.
Der auf der Ikarus-Insel Kreta geborene Choreograf Andonis Foniadakis hat den antiken Mythos als abstraktes Tanzstück adaptiert: Es geht um die Sehnsucht nach Schwerelosigkeit, die sich im Tanz ausdrückt, um Überschreiten der Grenzen des Körpers, um menschliche Hybris und um das Zurechtstutzen derselben. Soviel vorneweg: Die Hybris im Zaum zu halten, ist ein wenig reizvolles Konzept. Jamal Uhlmanns Daedalus weiß, genau, was möglich ist, und was man besser bleiben lassen sollte. Kostümbildner Anastasios Sofroniou hat ihn entsprechend in eine stählerne Rüstung gesteckt – das wirkt als Outfit nicht wirklich sympathisch, gibt aber gerade in den Massenszenen, als die Protagonisten vervielfältigt werden, einiges an Schauwerten her, modelliert die Körper und lässt den Tanz kontrolliert wirken. Anders aber Ikarus: Floris Puts (der ebenfalls später mit dem restlichen Ensemble des Staatsballett Hannover ...
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Tanz April 2025
Rubrik: Kalender, Seite 36
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