Alles auf dem Schirm

Das Virus hat die ästhetische Erfahrung in den digitalen Raum verlegt. Worauf kommt es an, wenn die performativen Künste nur als Stream verfügbar sind? Anmerkungen aus aktuellem Anlass.

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Was wir uns sparen können: die immer schon merkwürdige Diskussion, ob die Theater leer bleiben, wenn, was auf den Bühnen geschieht, im Netz zu sehen ist. «Video Killed The Radio Star» – das war schon 1979 falsch, als The Buggles damit ihr One Hit Wonder hatten. Nicht dass es in der Mediengeschichte keine Untergänge gäbe, doch die Sorge, dass die Orte verwaisen, an denen Menschen sich versammeln, um Musik zu hören, Theater, Oper, Tanz zu erleben, weil das Publikum nur noch, vereinzelt und vereinsamt, am heimischen Bildschirm in künstliche Pixel-Paradiese abtaucht, führt in die Irre.

Bloß nix streamen, sonst kommt bald keiner mehr – hinter dieser Scheindebatte wesen wohl ­fundamentalere Ängste vor Wirksamkeits­verlusten. Aber wir müssen sie jetzt nicht führen.

Jetzt, wo alles anders geworden ist, und das in einer Plötzlichkeit, die keiner für möglich gehalten hätte. Die Schauspiel-, Konzert- und Opernhäuser zwangsgeräumt, keine Menschen mehr da, gespenstisch, und es fühlt sich gar nicht wie Ferien an, denn das Gespenstischste ist die Ungewissheit, wie lange das so weiter gehen soll. Die (Festspiel-)Absagen gehen gerade in die immer weitere Zukunft voraus, Baden-Baden, Bayreuth, ...

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Tanz Juni 2020
Rubrik: Streaming, Seite 8
von Holger Noltze

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