Kunstkamer
Am Ende des Abends macht Paul Lightfoot die Geschichte auf choreografische Weise gegenwärtig. Mit dem Rücken zum Publikum paaren sich die Tänzer des Nederlands Dans Theater (NDT). Sie blicken zurück, und das nicht nur im übertragenen Sinne: Das Gruppenbild, in dem sich alle Bewegung schließlich verfestigt, gleicht dem historischen Foto aus der Frühzeit des Ensembles, abgedruckt im Programmheft. Darauf sind all die zu sehen, die vor sechzig Jahren dabei waren. Hans van Manen zum Beispiel, einige Tänzer und Tänzerinnen.
Selbstverständlich auch die beiden, denen der scheidende Direktor Paul Lightfoot die Szene gewidmet hat: der Gründer-Choreograf Benjamin Harkarvy und Carel Birnie, seinerzeit geschäftsführender Direktor und so etwas wie der Primus inter pares.
So viel zur NDT-Vergangenheit an diesem «Kunstkamer» betitelten Abend, uraufgeführt zur Jubiläumssaison im Oktober. Ihm folgten bis zur Corona-Krise einige Remakes: Belege für die enorme Erfolgsstory des NDT über sechs Jahrzehnte. Die vierteilige «Kunstkamer» spielt nun auf ein einzigartiges Buch von 1734 an, in dem der deutsch-holländische Apotheker Albertus Seba den ganzen Artenreichtum der Natur kunstvoll in einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2020
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Hartmut Regitz
Wenn man in den 1980er-Jahren durch San Sebastián im spanischen Baskenland spazierte, konnte man in einem Park oder auf einem kleinen Platz leicht auf einen tanzenden Jungen mit feurigen Augen stoßen, umringt von Zuschauern, die ihn unter der Nachmittagssonne lautstark anfeuerten. Jorge Nozal (Jahrgang 1978) sagt, er sei als Tänzer geboren. Bei den üblicherweise...
«Nie werde ich vergessen, wie stark der Eindruck war, den sie damals in den 50er-Jahren auf mich machte und der bis heute nachwirkt.» Wer solches sagt über Traudl Kuppe-Loew, ist nicht irgendwer, sondern eine der brillantesten Ballerinen, die es jemals in Deutschland gegeben hat: Birgit Keil. Für kurze Zeit besuchte sie deren Ballettunterricht. «Ich erinnere mich»,...
Künstlerisch «flügge» wurde sie in den 1960er-Jahren, an der Schwelle zum Postmodern Dance. Dabei wollte Lucinda Childs anfangs unbedingt Schauspielerin werden: Die eindrucksvolle Schönheit ihrer Gesichtszüge, die klassische Eleganz ihrer Erscheinung schienen sie für den Beruf geradezu zu prädestinieren. Nach Abschluss ihres Studiums am Sarah Lawrence College...
