Besucher ohne Theater
«Und wer einmal Blut geleckt hat im Theater, der kann ohne Theater nicht mehr existieren.» So zitiert die Hauswirtschafterin Frau Zittel den verstorbenen Professor Schuster in Thomas Bernhards «Heldenplatz». Als Psychiater und Stressforscher weiß ich: Das Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Theater ist ein Antidot gegen Stress. Tagsüber behandle ich Menschen mit Depression, Ängsten und Stimmungsschwankungen oder erforsche die Folgen von Stress auf die menschliche Psyche. Abends gehe ich ins Theater.
Im Zuschauerraum sitzen, das Programmheft auf den Knien und den staubigen Duft des Parketts in der Nase verspüren – das ist für mich die Therapie von der Therapie. Es geht um das Stück, um die Inszenierung, die Kunst – aber nicht nur. Wonach es mich dürstet, ist das ganze Erlebnis des Theaterabends. Dazu gehören das schnarrende Klingelzeichen und auch die Garderobenmarke zwischen meinen Fingern in der Tasche. Und dazu gehören die Menschen, mit denen ich mich zum Theaterbesuch verabrede und mit denen mich während und nach der Vorstellung ein besonderes Gefühl von Zugehörigkeit verbindet. Und der Ausklang in der Kantine oder der Bar nebenan. Und dazu gehört auch ein ...
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Tanz Juni 2020
Rubrik: Corona-Krise, Seite 14
von Mazda Adli
Wenn man in den 1980er-Jahren durch San Sebastián im spanischen Baskenland spazierte, konnte man in einem Park oder auf einem kleinen Platz leicht auf einen tanzenden Jungen mit feurigen Augen stoßen, umringt von Zuschauern, die ihn unter der Nachmittagssonne lautstark anfeuerten. Jorge Nozal (Jahrgang 1978) sagt, er sei als Tänzer geboren. Bei den üblicherweise...
Ausstellung: Fotokabinenkunst
«Inside Out» nennt der französische Künstler JR seine Aktionen: Betrete eine Fotokabine, mache ein ausdrucksstarkes Gesicht, die Kamera klickt und innerhalb einer Minute wird ein Schwarz-Weiß-Poster gedruckt. Die Teilnehmer nehmen es mit raus und kleben ihr Konterfei im öffentlichen Raum an Gebäude, Mauern oder auch auf Theatersessel...
«Nie werde ich vergessen, wie stark der Eindruck war, den sie damals in den 50er-Jahren auf mich machte und der bis heute nachwirkt.» Wer solches sagt über Traudl Kuppe-Loew, ist nicht irgendwer, sondern eine der brillantesten Ballerinen, die es jemals in Deutschland gegeben hat: Birgit Keil. Für kurze Zeit besuchte sie deren Ballettunterricht. «Ich erinnere mich»,...
