Besucher ohne Theater
«Und wer einmal Blut geleckt hat im Theater, der kann ohne Theater nicht mehr existieren.» So zitiert die Hauswirtschafterin Frau Zittel den verstorbenen Professor Schuster in Thomas Bernhards «Heldenplatz». Als Psychiater und Stressforscher weiß ich: Das Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Theater ist ein Antidot gegen Stress. Tagsüber behandle ich Menschen mit Depression, Ängsten und Stimmungsschwankungen oder erforsche die Folgen von Stress auf die menschliche Psyche. Abends gehe ich ins Theater.
Im Zuschauerraum sitzen, das Programmheft auf den Knien und den staubigen Duft des Parketts in der Nase verspüren – das ist für mich die Therapie von der Therapie. Es geht um das Stück, um die Inszenierung, die Kunst – aber nicht nur. Wonach es mich dürstet, ist das ganze Erlebnis des Theaterabends. Dazu gehören das schnarrende Klingelzeichen und auch die Garderobenmarke zwischen meinen Fingern in der Tasche. Und dazu gehören die Menschen, mit denen ich mich zum Theaterbesuch verabrede und mit denen mich während und nach der Vorstellung ein besonderes Gefühl von Zugehörigkeit verbindet. Und der Ausklang in der Kantine oder der Bar nebenan. Und dazu gehört auch ein ...
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Tanz Juni 2020
Rubrik: Corona-Krise, Seite 14
von Mazda Adli
Die beiden sind sich nicht schon lange bekannt, sie kennen sich auch aus: Martin Puttke war Direktor der Staatlichen Ballettschule sowie «klassischer» Ballettchef in (Ost-)Berlin und Essen und arbeitet derzeit an einem neuen Unterrichtskonzept, Peter Jarchow leitete zeitweilig die Palucca Schule Dresden und lehrt heute Korrepetition und Improvisation in Leipzig....
Was haben wir in den vergangenen Wochen nicht alles an Küchen, Balkonen, Gärten und Wohnzimmern gesehen – noch nie hat es so viele Home Storys aus der internationalen Tanzszene gegeben wie unter der Corona-Kontaktsperre, die allenthalben Online Classes und Switch Streams (siehe S. 50) erblühen ließ. Von Svetlana Zakharovas Moskauer Luxussalon über Tamara Rojos...
Stefanie Carp, am 22. April haben der Aufsichtsrat und dessen Vorsitzende, die nordrhein-westfälische Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Isabel Pfeiffer-Poensgen, die «Ruhrtriennale» abgesagt – auch unter Hinweis auf den Beschluss von Bund und Ländern, Großveranstaltungen bis 31. August auszusetzen. Die «Ruhrtriennale» hätte am 14. August angefangen und bis...
