akram khan
Akram Khan, Sie haben am Rand einer Aufführung von «Gnosis» gesagt, dass im zeitgenössischen Tanz auf der Bühne zu wenig getanzt und zu viel gesprochen wird. Wie kommen Sie darauf?
Fahren Sie auf ein beliebiges Festival – Sie sehen überall verhältnismäßig viele Produktionen, die mit Text arbeiten, aber eigentlich von der Bewegungssprache her kaum mehr in die Nähe von Tanz kommen. Ich finde, das ist auffällig und eine durchaus bedenkliche Entwicklung.
Worin sehen Sie die Ursache?
Dafür gibt es zahlreiche und von Künstler zu Künstler ganz verschiedene Gründe. Ich fürchte, viele haben nicht mehr genug Vertrauen in den Tanz. Sie glauben, mit der Sprache etwas ausdrücken zu können, was sie mit dem Körper nicht oder nicht mehr ausdrücken können. Für mich ist das ein ausgesprochen interessantes, aber auch irritierendes Phänomen.
Inwiefern?
Ich habe als Kind mit Peter Brook gearbeitet, einem der größten Theaterregisseure überhaupt. Und Brook hat mir eines eingeschärft, wieder und immer wieder: Dein Körper spricht am lautesten – erst danach kommen die Worte. Brook hat also dem Körper mehr getraut als den Worten, obwohl er doch als Theaterregisseur durch und durch ein Mann des Wortes ist. ...
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Tanz November 2012
Rubrik: menschen, Seite 12
von Dorion Weickmann
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