brug schaut dvd: antonio gades‘ triple bill
Antonio Gades, Carlos Saura und ihre «Carmen», das war einer dieser heute mitunter peinlich wirkenden Kultfilme aus den 1980er-Jahren. Ähnlich wie «Dirty Dancing» rührte er damals an Sehnsüchte nach dem Umwerben des anderen Geschlechts mit Hüftwackeln und Fußstampfen. Antonio Gades, der schneidige Bewahrer des Flamencos, starb 2004. Sein Werk hat er einer Stiftung übertragen. Und die müht sich nun, es jüngeren Generationen plausibel zu machen.
Auch wenn Gades‘ Kompanie längst aufgelöst ist, gibt es noch Zeitzeugen, die kürzlich mit jungen, talentierten Tänzern drei seiner berühmtesten Stücke wiederbelebt haben: die Lorca-Adaption «Bluthochzeit», den Welterfolg «Carmen» und die «Suite flamenca». 2011 wurde sie am Teatro Real in Madrid aufgeführt und für Bluray aufgezeichnet. Und siehe da: man erliegt abermals der Faszination dieser schnörkellosen, leidenschaftlichen Tänze, die Folklore auf die Ballettbühne bringen und dabei nie die Tradition verraten. Klischees werden nicht verhehlt, sondern lust- und absichtsvoll ausgestellt. Lorcas Bauerntragödie wird aufs Äußerste reduziert, es folgen mehr Posen als Tänze, strenge, kehlig gesungene Musik erklingt dazu. Die Protagonisten ...
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Tanz November 2012
Rubrik: medien, Seite 63
von Manuel Brug
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