tanz: abeceda

Tanz - Logo

Beim ersten Buchstaben die Arme geöffnet, beim letzten die Beine weit auseinander: Hingabe und Entschiedenheit im Wort «Tanz», wenn es zusammengesetzt wird nach dem Vorbild der «Typofotografien» (eine Bezeichnung von László Moholy-Nagy) des tschechischen Avantgardisten, Kunsttheoretikers, Fotografen und Gestalters Karel Teige (1900–1951).

Das schmale Bändchen «ABECEDA» erschien 1926 – auf jeder linken Seite ein dem jeweiligen Buchstaben gewidmeter Vierzeiler des Dichters Vítzslav Nezval, auf jeder rechten eine Fotomontage Teiges, die er als «grafische Poesie» und Pendant der Verse verstand. Angeregt wurde das Projekt von der Tänzerin und Choreografin Milada Mayerova, die dem Fotografen Karel Praspa Modell stand und auf den fünfundzwanzig Aufnahmen die Darstellung des Alphabets übernahm. «ABECEDA» erschien in einer Auflage von 2000 Exemplaren, ein Original wird heute ab 4000 Euro gehandelt. Das vorliegende Reprint der Bilder in Form eines Postkartenbuchs lädt zum Anfassen und zum Experimentieren mit Buchstabenbotschaften ein – am besten gleich zwei Exemplare erwerben: eines für den Hausgebrauch und das andere für die Verbreitung von Teiges Meisterschaft in alle Welt.

Karel Teige: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2012
Rubrik: medien, Seite 62
von Franziska Buhre

Weitere Beiträge
andrea miller

Freitag – Lucent Danstheater Den Haag

Mit einer Festvorstellung zu Ehren von Hans van Manen eröffnet das Nederlands Dans Theater seine neue Spielzeit. Im Publikum sitzt auch die amerikanische Choreografin Andrea Miller. Sie ist offensichtlich überwältigt und etwas eingeschüchtert durch die Perfektion, Ausdrucks- und Formkraft des Maestro. Van Manen feierte im Juli...

reggio emilia: josef nadj «atem»

Mehr als 16 Quadratmeter sind für viele Studenten in Ballungsräumen nicht bezahlbar. Wohnen kann man darin gerade noch, aber tanzen? Das ist ganz sicher eine Herausforderung. Josef Nadj hat sich ihr erstmals in Prag gestellt. Die dortige «Quadriennale» widmete sich dem Thema des intimen Bezugs zwischen Werk und Zuschauer und lud die Künstler ein, auf vier mal vier...

chasing pearls

Die Sanduhr rinnt dem Ende zu, die Kerze wurde soeben ausgehaucht, ein dünner Rauchfaden hängt noch in der Luft. Von den welkenden Rosen sind bereits zwei Blütenköpfe herabgefallen, sie werden vergehen wie die Schriftrolle auf dem Tisch – Totenschädel und Perlenkette hingegen werden die vergängliche Materie überdauern. Dem Verfall wird auch der am Tisch sitzende...