Afrikas Moderne tickt anders

Arnd Wesemann zwischen rasendem Applaus und großartigem Tanz bestaunte in Senegal eine Welt, für die der Tanz die höchste aller Künste ist

Tanz - Logo

Afrika ist endlose Savanne und unberührte Küste. Afrika duftet nach unvermuteter Gefahr und unversicherter Existenz. Afrika ist das Schlachtfeld des missionarischen Eifers zweier Religionen. Kirchen und Moscheen in der Größe von Fußballfeldern überragen die Betonhütten in den Vororten. Genützt hat das nichts: Wir sitzen beim schwarzafrikanischen Vize-Botschafter über güldenem Geschirr. Ganz ruhig sagt er: «Aids bedeutet, ein paar Mitesser weniger können den Hunger in unserem Land besiegen».

Gut gesättigt, schaut er über seinen prächtigen Garten in die glühend versinkende Abendsonne, räuspert sich und fügt mit leiser Stimme hinzu: «So ist das eben.»
O, Afrika! Du Dumme, du Kranke, du Starke. Der Staub, der Schweiß, der die Poren erstickt. Der afrikanische Körper. Er bringt die besten Marathon-Läufer, die stärksten Fußballer, die kräftigsten Tänzer hervor. Starke Körper einer schon von den alten Ägyptern, Axumiten und Phöniziern schwach gehaltenen Gesellschaft. War ja auch immer viel zu einfach: Afrika hat sich nie über sesshafte Landnahme, immer über die Weite der Beziehungen untereinander definiert. Der Körper, nicht der Zaun, ­durchmisst die Welt. Wie viel Wüste sollte einem auch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2005
Rubrik: Afrika, Seite 28
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zum Küssen

Am Anfang das Ende. Vor vierzig Jahren hat Kenneth MacMillan in Stuttgart dem «Lied von der Erde» von Gustav Mahler bewegte, bewegende Gestalt gegeben und damit dem Ballett eine musikalische Dimension des Tanzes eröffnet, die bis heute nichts von ihrer inspirierenden Kraft eingebüßt hat.
Unvergessen, ja unvergänglich darin der «Abschied» – ein Finalsatz, wie ihn...

Neue Bücher

Zu 59 amerikanischen Choreografen zog es Rose Eichenbaum mit Kamera und Ton­band. Glen Tetley ist bei ihr der Connais­seur, Anna Halprin die Waldnymphe und Anna Sokolow eine Rebellin. Entstanden sind lus­tige Inter­views, teils Dokumente grauslicher Eitel­keit, gut gewürzt mit Anekdoten aus dem Leben großer US-Beweger und geleitet von der großen Frage: Was...

La Divine: Marcia Haydée

Von Göttlichkeit nicht die Spur, auch wenn Maurice Béjart für Marcia Haydée einst ein Greta-Garbo-Ballett namens «Divine» geschaffen hat. «Ich bin ein ganz normaler Mensch, keine Ikone», sagt die ehemalige Ballerina und Direktorin des Stuttgarter Balletts am Ende eines ausholenden, gleichwohl einfühlsamen Gesprächs. «Und das will ich auch weiterhin bleiben.» Kein...