Anfang und Ende
Beethoven hat gerade mal zwei Stücke komponiert, die explizit nach Tanz verlangen: ein «Ritterballett» und «Die Geschöpfe des Prometheus». Man könnte noch kleinere Stücke dazu rechnen. Auffallend ist, dass sich kaum eine Interpretation dauerhaft auf der Bühne hat behaupten können, am ehesten noch die «Siebte Sinfonie» in der Version von Uwe Scholz. Nicht einmal «Die Geschöpfe des Prome-theus», choreografiert von Frederick Ashton vor fünfzig Jahren zum Beethoven-Fest in Bonn.
Einzig Ihre beiden Beethoven-Ballett finden sich seit fünfzig Jahren im internationalen Repertoire. Gibt es dafür einen Grund? Warum lassen die Choreografen Beethoven links liegen? George Balanchine fand immer, dass sich Beethoven nicht choreografieren ließe. Vielleicht hat das manche Choreografen abgeschreckt. Mich nicht. Beethoven war mir bereits als Dreizehnjähriger vertraut. Da brachte mein Bruder, der damals bei den Amerikanern arbeitete, eine Platte mit dem «Dritten Klavierkonzert» nach Hause. Immer wieder hörte ich sie mir an. Sie öffnete meine Ohren für alles Klassische. Bereits meine zweite Choreografie entstand 1958 zu Musik von Haydn: «Mouvements symphoniques».
Trotzdem hat es Jahre gedauert, bis ...
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Tanz April 2020
Rubrik: Beethoven, Seite 10
von Hartmut Regitz
Es läuft wie am Schnürchen für den norwegischen Theatermacher Alan Lucien Øyen. Nach Abschluss seiner Tanzausbildung 2001 an der Osloer Kunsthøgskolen gründete er mit dem britischen Autor Andrew Wale 2006 seine eigene Kompanie Winter Guests. Heute wird er von Theater-, Tanz- und Opernkompanien wie etwa dem Tanztheater Wuppertal oder – aktuell – der Opéra National...
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Ein stilles Stockdunkel. Irgendwann sind Schemen zu erkennen, zarte Lichtschweife an der Bühnenhinterwand. Eine gefühlte Ewigkeit später Umrisse von Körpern. Bewegen die sich? Geben sie dieses Raunen von sich? Irgendwann erklingt Choralgesang, und die Gestalten werden sichtbar als Dahinsiechende, Lebendig-Tote mit offenen, hängenden Mündern, gekrümmten Rücken und...
