Geld macht faul
Ist der professionelle Tanz eher mit einem Ehrenamt zu vergleichen, ist er tatsächlich professionell? Oder warum wird er so schlecht bezahlt?
Neulich konnte man in der Süddeutschen Zeitung einen bemerkenswerten Beitrag mit der Überschrift «Geld macht faul» lesen. Darin stand, dass Kinder, denen man für das erfolgreiche Lösen eines Puzzlespiels eine Belohnung gibt, das Interesse am Puzzlen sehr viel schneller verlieren, als Kinder, die dafür keine Belohnung erhalten.
Das Kinderglück, ein Puzzle erfolgreich vollendet zu haben, verschwindet sofort, sobald eine Belohnung ins Spiel kommt, die mit dem Spiel nichts zu tun hat. Psychologen kennen das Phänomen: Eine Belohnung, Geld zum Beispiel, führt zu einer Umdeutung des Puzzlespiels. Das ist beim Tanzen genauso: Tanzen macht glücklich, wenn man kein Geld dafür bekommt.
Wird man aber professionell dafür bezahlt, erfährt ein Nettostundenlohn von 3,12 Euro für Tänzer eine ganz neue Deutung. Sofort sinkt die gesellschaftliche Achtung des Tänzerberufs auf den Nullpunkt. Das mit so wenig Geld gezeigte politische Desinteresse am Tanz lockt ihn radikal unter die Armutsgrenze. Umgekehrt gilt übrigens genau das Gleiche: Würde man ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Neue Residenzen
Am 3. Oktober wurde das Teatro San Materno in Ascona/Schweiz wiedereröffnet. Die Ausdruckstänzerin Charlotte Bara ließ es 1928 im Bauhausstil erbauen. Jetzt soll die von Domenico Lucchini und Tiziana Arnaboldis geleitete Bühne für 140 Zuschauer einer Verbindung von historischer Avantgarde und heutigen Bewegungskünsten dienen: als Laboratorium für...
«Für was kann Tango alles gut sein?», fragte Pina Bausch 1980 während der Proben zu ihrem Stück «Bandoneon». Es war zu einer Zeit, als Tango in Europa und in Japan auf eine knapp hundertjährige Geschichte zurückblicken konnte und wieder einmal ein Revival erlebte. Nun, 2009, ist Tango gar zum Weltkulturerbe erklärt worden und gehört damit neben der tibetischen Oper...
Es gibt Grenzen. Deshalb will man sie sprengen. Im Theatermonolog «Bombenfrau» von Ivana Sajko, Mitgründerin des kroatischen Tanz- und Theaterkollektivs BADco, feiert eine Selbstmordattentäterin ein Fest zu ihrem Ende. Die Autorin fragt, was sich regt in einem solchen Körper in den letzten zwölf Minuten, bevor die Bombe, die laut Sajko wie ein «Liebhaber» in jeder...
