Geld macht faul

Warum Tänzer schlecht bezahlt werden.

Tanz - Logo

Ist der professionelle Tanz eher mit einem Ehrenamt zu vergleichen, ist er tatsächlich professionell? Oder warum wird er so schlecht bezahlt?

 

Neulich konnte man in der Süddeutschen Zeitung einen bemerkenswerten Beitrag mit der Überschrift «Geld macht faul» lesen. Darin stand, dass Kinder, denen man für das erfolgreiche Lösen eines Puzzlespiels eine Belohnung gibt, das Interesse am Puzzlen sehr viel schneller verlieren, als Kinder, die dafür keine Belohnung erhalten.

Das Kinderglück, ein Puzzle erfolgreich vollendet zu haben, verschwindet sofort, sobald eine Belohnung ins Spiel kommt, die mit dem Spiel nichts zu tun hat. Psychologen kennen das Phänomen: Eine Belohnung, Geld zum Beispiel, führt zu einer Umdeutung des Puzzlespiels. Das ist beim Tanzen genauso: Tanzen macht glücklich, wenn man kein Geld dafür bekommt. 

 

Wird man aber professionell dafür bezahlt, erfährt ein Nettostundenlohn von 3,12 Euro für Tänzer eine ganz neue Deutung. Sofort sinkt die gesellschaftliche Achtung des Tänzerberufs auf den Nullpunkt. Das mit so wenig Geld gezeigte politische Desinteresse am Tanz lockt ihn radikal unter die Armutsgrenze. Umgekehrt gilt übrigens genau das Gleiche: Würde man ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2009
Rubrik: Kolumne, Seite 20
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Methode Feldenkrais

Wie das «Body-Mind Centering» und die Bartenieff Fundamentals ist auch die Feldenkrais-Methode keine eigene Tanztechnik, sondern eine körperorientierte Lernmethode. Ihr Gründer, der 1904 in der Ukraine geborene, in Palästina, Europa und später in Israel wirkende Physiker Moshé Feldenkrais, vereinte in seinem professionellen Leben verschiedene Interessengebiete, die...

Drei Kompanien

Drei neue Kompanien wollen die einstige Tanzstadt Köln erobern. SoDance heißt die Erste, die sich Anfang Oktober mit «Achtung! Ameisen fallen nach links!» vorstellte. Gegründet wurde das freischaffende Ensemble vom Kölner Choreografen Guido Markowitz  und von Lior Lev, dem aus Israel stammenden Choreografen aus Stuttgart. Die Nächsten heißen Michael Maurissens und...

Aus Beirut

Ein Dokumentarfilmemacher, Ahmad Ghossein, 1981 in Beirut geboren, holte soeben in Jeju, Südkorea, die Goldmedaille für die beste Tanzimprovisation. Nach seinem Debüt im dänischen Fernsehen mit «An Arab Comes to Town» (2008) bekam er den Tanzpreis kurz vor Drehbeginn zu seinem ersten Spielfilm. Ghossein, das Wunderkind, ist natürlich keins. Wie viele...