Sacrée Afrique

Über heidnische Rituale ins moderne Europa. Afrikanische Studien zum «Sacre du printemps» beobachtete Thomas Hahn.

Tanz - Logo

Kaum mehr ein Choreograf, der auf sich hält und darauf verzichten würde, seinen «Sacre du printemps» zu kreieren. Die Versionen zählt man bereits zu Hunderten, und die meisten davon entstanden in jüngster Zeit. Das Festival Les Hivernales in Avignon stand in diesem Jahr gar unter dem Thema «Sacre». Es dürfte also niemanden wundern, wenn auch afrikanische Choreografen, ohnehin zunehmend in die europäische Tanzlandschaft eingebunden, sich an Strawinsky austoben. Was hier nicht körperlich gemeint ist, denn der «Sacre» hilft ihnen eher, Energien  zu kanalisieren und zu strukturieren.

Man kann sich höchstens fragen, warum es überhaupt so lange gedauert hat. Ein Grund ist, dass erst eine ganze Generation afrikanischer Choreografen Erfahrungen in Europa sammeln muss­te. Wer stieß die Tür auf? Elsa Wolliaston mit «Réveil» – das Erwachen. Frühlingserwachen der Verführungskünste zwischen Leben und Tod. Der schwarze Wecker klingelte 1997. Wolliaston spricht vom «Rite Of Spring» (hat mehr Kraft) und meint, der «Sacre» stehe ohnehin Afrika näher als dem Okzident, da Strawinsky sich die Inspiration für sein Œuvre bei den Schamanen holte. 

Das Thema ist ja auch wie geschaffen, in seinem Bezug zur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2005
Rubrik: Afrika, Seite 30
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jenseits

«Guck’ mal, was die Frau da macht». Der Vater schiebt sein Kind vor ein Ladenlokal in einer Nebenstraße der Essener Innenstadt. Eine Schaufensterpuppe legt ihre Hand gegen die Scheibe. «Sind die echt?», fragt der Kleine. Der Schweiß ihrer Hände kondensiert gegen das Glas. Die Ware lebt, doch wahre Kunst darf man nicht anfassen. Sie ist unverkäuflich, sie hat einen...

Memoiren

Mit acht, 1929, in Stettin eine kleine Ballettratte, mit neunzehn Tänzerin am Staatstheater Weimar, die unter anderem auch im KZ Buchenwald auftrat, vor Kriegsende Hilfsarbeiterin in der Munitionsfabrik, dann in die Sowjetunion verschleppt, von dort aus nach Ungarn verschlagen und als Lehrerin im böhmischen Eger zurück zum Ballett gekommen, 1963 schließlich nach...

Die Selbstbehauptung des Körpers

Am Beginn stand kein ästhetisches Programm, sondern der Glaube an die eigene Kraft. Die vier Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, die sich im Juni 1905 in Dresden zur Künstlergruppe Die Brücke zusammenschließen, wenden sich ausdrücklich an «Schaffende» wie «Genießende», an Künstler wie Betrachter, an eine...