Sacrée Afrique
Kaum mehr ein Choreograf, der auf sich hält und darauf verzichten würde, seinen «Sacre du printemps» zu kreieren. Die Versionen zählt man bereits zu Hunderten, und die meisten davon entstanden in jüngster Zeit. Das Festival Les Hivernales in Avignon stand in diesem Jahr gar unter dem Thema «Sacre». Es dürfte also niemanden wundern, wenn auch afrikanische Choreografen, ohnehin zunehmend in die europäische Tanzlandschaft eingebunden, sich an Strawinsky austoben. Was hier nicht körperlich gemeint ist, denn der «Sacre» hilft ihnen eher, Energien zu kanalisieren und zu strukturieren.
Man kann sich höchstens fragen, warum es überhaupt so lange gedauert hat. Ein Grund ist, dass erst eine ganze Generation afrikanischer Choreografen Erfahrungen in Europa sammeln musste. Wer stieß die Tür auf? Elsa Wolliaston mit «Réveil» – das Erwachen. Frühlingserwachen der Verführungskünste zwischen Leben und Tod. Der schwarze Wecker klingelte 1997. Wolliaston spricht vom «Rite Of Spring» (hat mehr Kraft) und meint, der «Sacre» stehe ohnehin Afrika näher als dem Okzident, da Strawinsky sich die Inspiration für sein Œuvre bei den Schamanen holte.
Das Thema ist ja auch wie geschaffen, in seinem Bezug zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bis ins 7. Jahrhundert stritten sich Römer und Wisigothen (Westgothen) um die Vorherrschaft zwischen Nîmes und den Pyrenäen, mordeten und brandschatzten. Kriegsherren kämpften heute gemeinsam, morgen gegen den eigenen Bruder. Sieben bedeutende Städte umfasste die Region. Doch dass die Römer sie wirklich als «Septimania» führten, ist eher ein Gerücht. Aber der Name...
Eröffnung von La Biennale di Danza. Der Atem der Tänzer Nicole Peisl und Christopher Roman klingt wie das Röcheln eines sterbenden Dinosauriers. Die Trauer kriecht schriftlich über den eisernen Vorhang: «At the time political refugees in Germany were being burned alive in their homes by gangs of ultra-nationalists ...» Siebzig Gäste umstehen auf der Hinterbühne des...
Henning Paars «Romeo und Julia» am Staatstheater Braunschweig hält die blind sich wiederholende Mechanik der Machtgesellschaft am Laufen. Zwischen eisernem Vorhang und Metallwänden lauern Falltüren und Capulets Familienkäfig der verlogenen Konvention. Vom ewigen Kämpfen sind die nackten Füße blutigbraun verkrustet.
Auf den Schnipseln vergilbter Seiten, verstreut...
