Mit bloßen Händen
Henning Paars «Romeo und Julia» am Staatstheater Braunschweig hält die blind sich wiederholende Mechanik der Machtgesellschaft am Laufen. Zwischen eisernem Vorhang und Metallwänden lauern Falltüren und Capulets Familienkäfig der verlogenen Konvention. Vom ewigen Kämpfen sind die nackten Füße blutigbraun verkrustet.
Auf den Schnipseln vergilbter Seiten, verstreut über den Bühnenboden, erzählt Paar die alte Geschichte von Hass und Gewalt, von Liebe und Tod in Anna Siegrots düsterem Geviert.
Er verdichtet das Drama auf den durch Liebe beflügelten, wohl nicht durch Zufall scheiternden Ausbruchsversuch der beiden Jungen. Sie stellen sich abseits, fügen sich nicht und folgen nicht. Weil sie ganz mit sich beschäftigt sind.
Maida Kasarian zeigt ein bockig pubertierendes Gör, weiß mit sich und ihren Gefühlen nichts anzufangen und trifft auf einen verträumten, unerfahrenen Jungen. Rosalinde ist für Rory Steads romantischen Romeo eine Sehnsuchtsprojektion, die die «Traum-Spinnerin» Mab in Gestalt eines immer wieder auftauchenden Bühnenarbeiters an die Wand pinselt.
Von der Liebe auf den ersten Blick getroffen, kippen beide kurz vornüber aus der Balance. Sie finden sich über spielerisches ...
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