Zurück zu den Müttern
Wie wäre es, all diesen Ballast der Rezeptionsgeschichte einfach mal auf einer Müllhalde des Regietheaters zu deponieren? Sich also zumal der braunen Vereinnahmung des Bayreuther Meisters zu entledigen und gewissermaßen eine «Stunde null» der szenischen Interpretation zu postulieren? Es müsste dann wohl ein Weg zurück beschritten werden: zum Mythos, zu den Archetypen, zu Urbildern der Geschlechterkonstellationen.
In den 1950er-Jahren suchte Wieland Wagner für das Werk seines Großvaters solche Pfade zum «Werk an sich», verwies auf das «Meistersinger»-Zitat «Hier gilt’s der Kunst» und bat sein Publikum, «von Gesprächen und Debatten politischer Art auf dem Festspielhügel freundlichst Abstand nehmen zu wollen». Statt einer buchstabengetreuen Umsetzung der schnell alternden Regieanweisungen des Komponisten forderte sein Enkel, «die nachschöpferische geistige Leistung (…), die den Gang zu den Müttern – also zum Ursprung des Werks – wagt.» Da wusste sich Wieland den faustischen Gedankengängen Goethes so sehr nahe wie denen Richard Wagners: Die Mütter, die Gebärenden, die Inhaberinnen unbewusster schöpferischer Kräfte mögen es richten. Für den «Tannhäuser» ließe sich folgern: ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Krause
alpha
02.11. – 21.50 Uhr Bayreuth Baroque Opera Festival 2025
Malena Ernman: Terra Mater
Beim Konzert «Terra Mater» bringt Christina Pluhar mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata eine Hymne an die Schöpfung in barockem Klanggewand auf die Bühne. Als Partnerin hat sich die Alte Musik-Spezialistin mit der schwedischen Mezzosopranistin Malena Ernman eine vielschichtige...
Gäbe es nicht die Kategorie der Ironie, man müsste an Werk und Person von Helmut Lachenmann verzweifeln. Allein, der Komponist, der seit Jahrzehnten unweit von Stuttgart, wo er am 27. November 1935 geboren wurde, in Leonberg daheim ist, kommentiert furchtlos die Gegenwart – und hat spontan einen frechen Spruch parat, einen seiner berühmten Schüttelreime. Dann und...
Man(n) trägt Perücke. Irgendwann im ersten Akt lässt sich auch der Kritiker von einer Mitwirkenden eine solche andienen: Modell mondäne Allongeperücke, ins Horizontale gerückt. Jetzt gehört man also dazu, zu Mahagonny, dieser seltsamen Stadt, in der man schon auf dem Vorplatz des Theaters Basel begrüßt wurde: «Willkommen in Mahagonny, willkommen daheim». Daheim?
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